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Rezession und Wirtschaftskrise

Der Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.

(Bertolt Brecht)

Wie entstehen “Risikoanleihen“? Mehr dazu (28 KB)

22.07.2017 – jw - Stagnierende Produktivität

Stagnierende Produktivitaet-kVon Lucas Zeise - Die Volkswirtinnen und Volkswirte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) machen sich Sorgen um das geringe Wachstum. Sie sind nicht die einzigen. Kaum eine Konjunkturanalyse kommt ohne die nachdenkliche Feststellung aus, dass nach der »großen Rezession« (wie die US-Amerikaner sich ausdrücken) von 2008/09 das Wachstum in den alten Ländern des Kapitalismus überall schwächer geworden ist. Vor allem die Produktivität sei viel weniger gestiegen als in den Jahrzehnten zuvor, stellen die Volkswirte fest und kratzen sich am Kopf, woran das liegen könnte.

Was ist Produktivität? Es ist die Maßzahl für das geschaffene Produkt pro Arbeitseinheit. Wichtigster Treiber der Produktivität ist der technische Fortschritt. Zum Beispiel kann mit besseren Maschinen die gleiche Belegschaft mehr Waren herstellen. Marx und Engels haben (unter anderem im Kommunistischen Manifest) den damals noch jungen Kapitalismus dafür gefeiert, dass er weit besser als andere Produktionsweisen zuvor die Produktivkräfte in Schwung bringt. Es interessiert an dieser Stelle nicht, dass diese Entwicklung auf Kosten nicht nur der Arbeiter gegangen ist. Mehr dazu (113 KB)

 

08.07.2017 – jw -Sinnvoller G-20-Protest

Sinnvoller G-20-Protest-kVon Lucas Zeise - Sind die G 20 das Problem oder sogar Teil der Lösung? Die Show ist ja nun, jedenfalls in Hamburg, so gut wie zu Ende. Dass die Regierungschefs der 19 ökonomisch großen Staaten nichts Bedeutendes beschlossen haben, überrascht jetzt nicht besonders. Wer gegen sie und ihr Treffen unter dem Vorsitz von Angela Merkel protestiert, setzt dennoch nicht alle diese Regierungschefs gleich. Unter den Demonstranten befinden sich nicht nur Anarchisten, die jede Regierung, gleich welcher Art auch immer, ablehnen. Die meisten Demonstranten wissen die in Hamburg versammelten Repräsentanten ihrer jeweiligen nationalen Kapitalistenklasse zu unterscheiden.

Die G 20 sind nicht dasselbe wie die G 7. Das ist richtig. Der Publizist Andreas Wehr hat mir diese Verwechslung vorgeworfen und den Demonstranten, dass sie gegen die G 20 ganz wie gegen die G 7 demonstrieren. Dabei erkläre ich gerade in dem von ihm kritisierten Artikel »Kurze Geschichte der G 20«, wie und warum sich die altkapitalistischen G-7-Staaten (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada) nach Ausbruch der großen Finanz- und Wirtschaftskrise der Unterstützung der wichtigsten Schwellenländer (vor allem China, Indien, Brasilien und Russland) versicherten. (Wehrs und mein Beitrag finden sich in den Marxistischen Blättern 3/2017 und 2/2017.) Das ist ja gerade das Interessante an der aktuellen Entwicklung des Kapitalismus, dass die alten Imperialisten die Zustimmung anderer Länder brauchen oder zu brauchen meinen. Um was zu erreichen? Um den Kapitalismus weltweit am Laufen zu halten. Mehr dazu (100 KB)

 

27.05.2017 – jw - Kopfloser Westen

Kopfloser Westen-kStreiterei beim G-7-Gipfel

Von Klaus Fischer - Der Westen ist kopflos. Was die führenden Vertreter der »sieben wichtigsten Industriestaaten der Welt« (G 7) am Freitag beim Auftakt des Gipfeltreffens in Taormina auf Sizilien ablieferten, war ein Offenbarungseid: In Grundfragen ist die Schar uneins wie nie in den zurückliegenden Jahrzehnten. Und das liegt weniger (aber auch) am handelnden Personal als vielmehr an den zugespitzten Widersprüchen innerhalb der vermeintlichen Wertegemeinschaft.

Freihandel oder Protektionismus, pro oder kontra Klimaschutz, offene Gesellschaft oder Abschottung, so lauten ein paar Schlagworte, hinter denen schwerwiegende Interessensgegensätze verborgen werden. Und es sind Konflikte, in denen offenbar keine Kompromisse mehr gefunden werden, weil die Protagonisten sich in extremistische Positionen verrannt haben.

Was bieten die in Italien versammelten sieben Staatsführer und zwei Eurokraten nebst »Sherpa«-Gefolge den gut sieben Milliarden Erdenbewohnern eigentlich an, worüber streiten sie tatsächlich? Freihandel? Mehr dazu (92 KB)

 

06.05.2017 – jw - Trump ändert nichts

Trump aendert nichts-kZu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Das US-Repräsentantenhaus hat am Donnerstag mit knapper Mehrheit ein von Donald Trump gewünschtes Obamacare-Änderungsgesetz gebilligt (Der Senat noch nicht). Zuvor war noch eine für den Präsidenten wichtige Entscheidung gefallen. Das Parlament genehmigte ihm eine Erhöhung der Verschuldung. Damit ist die Regierung bis zum Herbst finanziell voll handlungsfähig. Sie kann die im Wahlkampf versprochenen Infrastrukturausgaben veranlassen (obwohl die Mauer an der Grenze zu Mexiko augenscheinlich im Wege eines Kompromisses zurückgestellt wurde) und die Streitkräfte mit neuen Waffen versorgen. Man kann aus beidem schlussfolgern, dass die Republikanische Partei den lange im Wahlkampfmodus bockig verharrenden Trump in ihre Reihen aufgenommen hat. In einigen Punkten ist er dem reaktionären Mainstream beider Parteien gefolgt. Am wichtigsten wohl beim Bombardement eines syrischen Stützpunktes und bei der Rückkehr zur alten Losung »Assad muss weg«.

Die Börse zeigte sich über die Einigung bei den Finanzen hocherfreut. Mehr Staatsausgaben sind möglich und wahrscheinlich. All das passt gut dazu, dass auch die europäische Reaktion nun sicher zu sein glaubt, dass die französischen Wähler brav dem ihnen vorgesetzten Herrn Macron folgen werden. Mehr dazu (72 KB)

 

04.05.2017 – jw - Die Hütte brennt

Die Huette brennt-kArbeiter von Thyssen-Krupp demonstrieren in Duisburg. In der Stahlsparte droht 4.000 Beschäftigten der Jobverlust

Von Simon Zeise - Ihre Zukunft steht auf dem Spiel. In Duisburg gingen am Mittwoch 7.500 Stahlarbeiter auf die Straße, um gegen drohende Entlassungen zu protestieren. Der Konzernvorstand denkt seit Wochen laut über eine Fusion mit dem indischen Monopolisten Tata-Steel nach. Dadurch würde nach Arcelor-Mittal der zweitgrößte Stahlkonzern in Europa entstehen.

Am Donnerstag will der Aufsichtsrat über weitere Schritte beraten. Einen Tag zuvor wollten die Beschäftigten ein starkes Zeichen setzen. Auf Plakaten waren Sprüche wie »Kampf um jeden Arbeitsplatz«, »Stahl ist Zukunft« und »Ist der Stahl erst kalt, wächst hier bald wieder Wald« zu lesen. Gesamtbetriebsrat Günter Back warf den Managern eine Salamitaktik vor. Es stünden nicht hunderte, sondern mehrere tausend Jobs auf dem Spiel, sagte er gegenüber Reuters. Mehr dazu (218 KB)

 

18.04.2017 – jw - »Dem ›Sparer‹ wäre überhaupt nicht geholfen«

Dem Sparer waere ueberhaupt nicht geholfen-kLeitzinsen zu erhöhen, könnte die Wirtschaft in die Krise führen. Dennoch bleibt die Forderung populär. Ein Gespräch mit Benjamin Braun

Interview: Simon Zeise - Sie haben in Ihrem jüngst veröffentlichten Aufsatz »Speaking to the People« deutliche Worte gegenüber der Geldtheorie des Monetarismus gewählt. Sie schreiben: »Die vorherrschende Theorie vom Gelde weicht in wesentlichen Punkten von der tatsächlichen Funktionsweise des Geldes ab«. Was meinen Sie damit?

Ich beschreibe in dem Artikel mehrere Mythen, die im öffentlichen Diskurs vorherrschen. Ein beliebter Irrtum lautet: Die Zentralbanken pumpen Unmengen Geld in den Wirtschaftskreislauf, und deshalb drohe die Inflation zu steigen. Das denkt wohlgemerkt nicht nur der sogenannte einfache Mann auf der Straße, sondern diese Sicht ist bei Medien, Journalisten und Politikern weit verbreitet. Diese verkennen, dass es zwei unterschiedliche Geldkreisläufe gibt. Einmal der Geldkreislauf des Zentralbankgeldes, der das Bargeld umfasst, und die Reserven, das sind Guthaben von Geschäftsbanken bei der Zentralbank. Diese Reserven werden durch die expansive Geldpolitik der EZB geschaffen. Sie können aber nicht an Unternehmen weiterverliehen werden. Wenn die Geschäftsbanken einen Kredit vergeben, schaffen sie neues Geld. Sie leihen nicht das Geld der Zentralbank weiter. Dieses Geld kann nirgendwo anders hingehen. Wenn die Zentralbank eine Billion an neuem Geld schafft, heißt das nicht, dass dadurch eine Billion neue Kredite vergeben werden. Mehr dazu (48 KB)

 

10.02.2017 – german-foreign-policy - Rekorde mit Risiken

BERLIN - (Eigener Bericht) - Mit gemischten Gefühlen reagieren Wirtschaftskreise auf die neuen Exportrekorde der deutschen Industrie. Deutsche Unternehmen haben ihre Ausfuhren im Jahr 2016 auf ein Allzeithoch von 1,208 Billionen Euro gesteigert. Zudem haben sie ein Leistungsbilanzplus von 266 Milliarden Euro erzielt; auch dies ist mehr als je zuvor. Doch sind Risiken unübersehbar. So sind die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU zurückgegangen, obwohl die bedeutendsten Zukunftsmärkte nach dem übereinstimmenden Urteil von Experten jenseits des europäischen Kontinents liegen. Die deutsche Exportindustrie ist wieder stärker als zuletzt von der EU abhängig, die tief in der Krise steckt. Der Austritt Großbritanniens aus der EU droht den Export in das Land, das in den vergangenen Jahren zum drittgrößten Absatzmarkt der Bundesrepublik geworden ist, zu schwächen. Nach dem politisch bedingten Einbruch des Russlandgeschäfts droht nun die neue US-Administration auch die deutsche Ausfuhr in die Vereinigten Staaten, Deutschlands Absatzmarkt Nummer eins, zu bremsen oder sogar zu reduzieren. Der Maschinenbau, eine Schlüsselbranche der deutschen Industrie, vermeldet bereits empfindliche Auftragsrückgänge im Vergleich zum Vorjahr - und versucht sich durch Wachstum in der EU und auf dem Inlandsmarkt zu behaupten, da Aufträge aus Drittstaaten ausbleiben. Mehr dazu (130 KB)

 

21.01.2017 – jw - Trumps Wirtschaftszauber

»America-First-Parolen« und die Realität: Die Ankündigungen des neuen US-Präsidenten erinnern an Reagans »Voodoo Economics«

Von Lucas Zeise - Als Barack Obama Präsident wurde, hat er nahtlos an die Finanz- und Wirtschaftspolitik seines Vorgängers George W. Bush angeknüpft. Obamas Goldman-Sachs-Mann Timothy Geithner betrieb als Finanzminister exakt die gleiche Politik wie Bushs Finanzminister und Goldman-Sachs-Mann Henry Paulson. Die Banken des Landes wurden auf Kosten der Steuerzahler saniert (wenn auch die kleineren unter ihnen wenigstens – anders als in Europa – dichtgemacht wurden), der Staatshaushalt expandierte und die Notenbank, geführt von einem Republikaner, finanzierte die Expansion. Nun hatte Obama ja auch keinen Wechsel angekündigt.

Nicht so Trump. Wenn man ihm glauben würde, müsste er alles anders machen als Obama. Er will den Import reduzieren und dafür sorgen, dass Arbeitsplätze in den USA entstehen. Zu diesem Zweck sollen die Handelsverträge neu ausgehandelt werden, und schließlich sei »der Dollar zu stark«. Das wirkt einigermaßen plausibel. Das arme Mexiko traktieren, weil von dort viele Waren ins Land strömen, passt zu dieser Strategie. Es passt auch, dass China attackiert wird, wohin die US-Konzerne jahrzehntelang Arbeitsplätze exportiert haben. Man wundert sich, dass Deutschland, das Land mit dem größten Exportüberschuss in der Rhetorik bisher noch glimpflich davonkommt. Was gar nicht zu diesen Ansagen passt, ist der seit Trumps Wahlsieg stark gestiegene Dollar. Mag sein, dass der Mann so naiv ist, wie er sich gibt. So blöd ist er aber bestimmt nicht, dass er nicht weiß, dass seine »America-First-Parolen« Kapital anlocken und damit den Dollar stärken müssen. Zumal sie das ja gerade sollen. Mehr dazu (40 KB)

 

31.12.2016 – jw - Chinas Kapitalexport

Chinas Kapitalexport-kVon Lucas Zeise - China ist anerkanntermaßen die zweitgrößte nationale Volkswirtschaft des Globus. Das Land ist vor Deutschland Exportweltmeister. Kein Land exportiert mehr. Aber der umfangreiche Außenhandel des großen Landes findet unverändert vorwiegend in Dollar statt. Die chinesische Währung, Volkswährung oder Renminbi genannt, ist keine Weltwährung. Im Devisenhandel spielt das chinesische Geld kaum eine Rolle. Der Renminbi wird ungefähr soviel gehandelt wie der Schweizer Franken oder die schwedische Krone. Erklärtermaßen soll das anders werden. Beijing hat in einigen Finanzzentren, so etwa in London und Frankfurt am Main, ausgesuchten Banken die Möglichkeit eingeräumt, sich bei der chinesischen Zentralbank zu verschulden und umgekehrt auf Renminbi lautende Guthaben zu halten. Nach langen Verhandlungen war es sogar gelungen, am 1.  Oktober dieses Jahres den Renminbi neben Dollar, Euro, Yen und Pfund zum Bestandteil der vom Internationalen Währungsfonds (IWF) herausgegebenen Kunstwährung SDR zu machen.

Sonderbar ist allerdings, dass die chinesische Währung seit zwei Jahren schwächelt. Nachdem die chinesische Zentralbank im Juli 2005 die enge Kopplung der eigenen Währung an den US-Dollar gelockert hatte, war der Renminbi kräftig um fast 40 Prozent gestiegen. Mehr dazu (36 KB)

 

24.12.2016 – jw - Undogmatische 20 Milliarden Euro

Undogmatische 20 Milliarden Euro-kZu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Es geht auch ohne Abschaffung des Senats. Kaum hatte der fesche italienische Ministerpräsident Matteo Renzi die Abstimmung über seine Verfassungsreform verloren und kaum war er zurückgetreten, nahm sein Nachfolger, ein gewisser Paolo Gentiloni, mit fast identischem Kabinett seine Geschäfte auf. Und setzte durch, dass die Regierung schlappe 20 Milliarden Euro zusätzlich ausgeben darf. Die zweite Parlamentskammer musste dafür nicht weichen, denn sie ist bereit, diese Summe zur Stützung der Banken zu bewilligen. Denn darum geht es bei den 20 Milliarden.

Bedeutender als das römische Parlament sind allerdings ein gewisser Wolfgang Schäuble, Finanzminister in Deutschland, und sein Anhang in allen möglichen Ländern der Eurozone. Deren Regularien zufolge hätte Italien sich keinen Cent mehr an Schulden leisten können. Nach Griechenland ist es der am höchsten verschuldete Teilstaat des Euro-Herrschaftsgebietes. Schäuble und Konsorten hatten ja eine Schuldenbremse, mit der in Deutschland so vorbildlich Sozialleistungen und Staatsausgaben für Infrastruktur und Bildung zurückgestutzt werden konnten, auch in die EU-Verträge hineinmanipuliert. Da grenzte es schon an ein Wunder, dass Schäuble so ganz nebenbei die 20 Milliarden genehmigte. Aber er tat es – noch bevor Gentiloni den Antrag stellte und bevor die EU-Kommission, die das Schuldenmanagement der Mitgliedsstaaten formal beaufsichtigen soll, auch nur eine Zwischenbemerkung machen konnte. Mehr dazu (40 KB)

 

03.12.2016 – jw - Kriegsgegner einig

Kriegsgegner einig-kZu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Vieles ist erstaunlich an dieser Vereinbarung der OPEC am vergangenen Mittwoch in Wien. Die Ankündigung der Erdöl exportierenden Länder, ab Januar weniger zu produzieren, hat den Preis sofort und auch am zweiten Tag danach kräftig nach oben getrieben. Das Fass (ca. 159 Liter) Rohöl kostet jetzt deutlich mehr als 50 Dollar, nach zuvor etwa 45 Dollar. Immerhin hatte die OPEC die Kürzungsentscheidung schon im September angekündigt und damals für eine Stabilisierung des Preises gesorgt. Aber es schien den Beobachtern, den Händlern und Analysten doch ziemlich unwahrscheinlich, dass es tatsächlich zu einem so klaren Kürzungsbeschluss kommen würde.

Denn zu dem einvernehmlichen Beschluss, die Produktion um 1,2 Millionen Fass pro Tag zurückzufahren, sind immerhin miteinander Krieg führende Parteien gekommen. Innerhalb der OPEC sind Saudi-Arabien und Iran Gegner auf den Schlachtfeldern im Jemen und in Syrien. Beide ringen um Einfluss im Irak, das seit dem Überfall der USA 2003 mittlerweile wieder zum zweitstärksten Exporteur der OPEC-Gruppe geworden ist. Außerdem ist bei dem Beschluss an entscheidender Stelle Russland an der Kürzungsentscheidung beteiligt. Ohne den diplomatischen Druck Russlands wäre der Deal nicht zustandegekommen. Aber gerade Russland trägt entscheidend dazu bei, dass die Kriegsallianz aus NATO-Ländern und den reaktionären Golfmonarchien Syrien als Staat nicht zerstört hat. Mehr dazu (38 KB)

 

19.11.2016 – jw - Juhu, der Zins steigt

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Wo bleibt der Jubel? Die Zinsen steigen. Banker, Rentiers und Versicherungsmanager, besonders die deutschen, die desorientiert die Welt nicht mehr verstehen konnten, haben endlich ihren positiven Zins wieder. Sogar das edelste und begehrteste Papier von allen, die zehnjährige Bundesanleihe, gibt wieder einen Zins her. 0,28 Prozent waren es am Donnerstag. Das ist nicht viel, aber doch mehr als null. Und erheblich mehr als ein Minuszins, der noch vor einem Monat gegolten hatte. Damals mussten der Anleger und der Banker usw. Herrn Schäuble noch zusätzlich Geld geben für die Ehre (und vermeintlich besondere Sicherheit), ein Stück deutsche Staatsschulden sein eigen nennen zu dürfen.

Wer mehr Zins haben will – bitte sehr. Zehnjährige US-Staatsschulden bringen ganze zwei Punkte mehr als deutsche, also 2,28 Prozent. Der Nachteil, man muss in Dollar investieren und bekommt auch Zinsen und die Rückzahlung in Dollar, was schließlich ein kleines Zusatzrisiko darstellt. Deshalb bleiben wir sicherheitshalber im Euro-Raum. Da bieten sich ausgezeichnete italienische Staatsanleihen an: Rendite der Zehnjährigen 2,09 Prozent (alle Angaben vom Donnerstag). Alles ist wieder gut, liebe Banker. Der Zins ist wieder voll da. Ihr habt genug gejammert über die »unnatürlichen Verhältnisse« und über die tückische Europäische Zentralbank, die den Zins »künstlich« auf null gedrückt hat. Ihr Banker und überaus gelehrte Volkswirte könnt euch doppelt freuen. Denn euer geliebter Markt hat sich offensichtlich doch durchgesetzt gegen die Manipulation der Zentralbanker, die unverdrossen Milliarden und Abermilliarden Euro an Staatspapieren aufkaufen. Mehr dazu (38 KB)

 

12.11.2016 – jw - Absurde Konkurrenz

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Die Konkurrenz der Kapitalisten um die höchste Profitrate ist der Eckpfeiler des Wertgesetzes und treibt die Produktivität der Arbeit an. Den Monopolen »verdanken« wir, dass diese Konkurrenz an einigen Ecken ausgehebelt wird, ganz oft mit Hilfe des Staates. Die Staaten dieser Monopole treten ihrerseits in Konkurrenz zueinander. Um welche Ziele geht es dabei? Der Staat ist zwar kein Kapitalist oder höchstens im Nebenberuf. Dennoch sind seine Ziele ebenfalls ökonomischer Natur, auch wenn er Krieg dafür führt. Solche spezifischen Ziele können Absatzmärkte oder Rohstoffquellen für die heimischen Monopole sein. Eher unspektakulär findet der Wettbewerb um den günstigsten Schuldnerstatus statt. Er tritt dann in den Vordergrund, wenn zum Beispiel Argentinien oder Griechenland kein Geld mehr zur Bedienung ihrer Verbindlichkeiten auftreiben können, während es Japan, USA und Deutschland nachgeworfen wird. Allgemein gesprochen konkurrieren die imperialistischen Staaten darum, »ihren« Monopolen die höchsten Profitraten ermöglichen zu können. Mehr dazu (38 KB)

 

29.10.2016 – jw - Gründe der Stagnation

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Juhu, die zehnjährige Bundesanleihe rentiert wieder über null Prozent. Der Jubel darüber erklingt nicht, weil die 0,1 Prozent Zinsertrag pro Jahr die Besitzer des soliden Papiers zu reichen Menschen machen. Die Zinsentwicklung ist vielmehr ein wichtiger ökonomischer Hinweis auf die Entwicklung der Wirtschaft. Steigende Zinsen deuten auf steigende Inflation und höhere Nachfrage nach Gütern, also insgesamt bessere Konjunktur hin. Umgekehrt sind die seit mehreren Jahren rekordniedrigen Zinsen, die im Fall der deutschen Staatsanleihen sogar negativ geworden sind, das klarste Zeichen dafür, dass die Wirtschaftslage mies ist. Das ist kein deutsches Phänomen, nicht einmal ein nur europäisches. Vielmehr ist seit der durch die Finanzkrise 2007 verursachten Rezession das Wachstum der Weltwirtschaft viel schwächer, als es davor war. Nimmt man die kapitalistischen Kernländer Nordamerikas, Europas und Japans, so kann man von Stagnation sprechen. Mehr dazu (40 KB)

 

15.10.2016 – jw - Große Worte zur Bankenstützung

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Nachdem Hans-Werner Sinn nun in Rente ist, nicht mehr dem Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München vorsteht und nicht mehr zu allen Problemen befragt wird, ist ein neuer Stern am Himmel der häufig zitierten und einflussreichen Volkswirte erschienen. Sein Name ist Marcel Fratzscher, er ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Sinn und Fratzscher kommen bei den Medien gut an, weil sie sich nicht scheuen, unangenehme Tatsachen wenigstens anzusprechen. Sinn ist dabei unterhaltsamer. Er dramatisiert noch mehr. Die vielen Milliarden Euro, die über das Verrechnungssystem der Euro-Notenbanken und die in Brüssel zusammengebastelten Rettungspakete nach Griechenland flossen, wusste er effektvoll als unwiederbringlichen Verlust für den deutschen Steuerzahler darzustellen (und damit abzulenken von der Katastrophe, die damit in Griechenland angerichtet wurde). Ähnlich Fratzscher heute. Er tritt weniger als strafender Prophet auf. Ihm fehlt auch der Kapitän-Ahab-Bart, den Sinn vorweisen kann. Aber Teilwahrheiten hat er durchaus auf Lager: Mehr dazu (40 KB)

 

05.08.2016 – UZ - Vergeblicher Stresstest

Lucas Zeise zu neun Jahren Finanzkrise

Am nächsten Montag, am 9. August wird die Finanzkrise neun Jahre alt. Und wenig überraschend ist die Finanzkrise noch mitten unter uns. Ohne die Finanzkrise gäbe es auch jenen Stresstest der EU-Banken nicht, dessen Ergebnisse nach viel Pomp und Aufregung am vergangenen Freitag nach Börsenschluss publiziert wurden. Veranstalter des Tests – es war der vierte seiner Art in der EU – waren die Aufsichtsbehörden, die Europäische Zentralbank (EZB) und die European Banking Authority (Europäische Bankaufsicht EBA). Der Zweck der Übung war es, Vertrauen zu verbreiten. Es sollte staatlich geprüft und öffentlich dargestellt werden, dass den Banken zu trauen ist. Niemand soll Angst haben, dass morgen die Bank zahlungsunfähig ist. Diese Angst grassiert im Weltfinanzsystem immer noch.

Die Angst, aber noch keine Panik, brach aus an jenem Vormittag des 9. 8. 2007. Der Geldmarkt unter Banken hörte auf zu funktionieren. Dieser Markt befindet sich im Zentrum des Geld- und Kapitalverkehrs. Hier leihen sich und verleihen die Geschäftsbanken kurzfristig Geld, mit Laufzeiten von einem Tag bis zu zwei Jahren. Die Zinssätze sind niedrig und immer ganz nah an den so genannten Leitzinsen, mit denen die Notenbanken die Banken mit Geld versorgen. Zwar sind die Zinsen und Zinsdifferenzen gering, dafür sind die Beträge riesig. Jeden Tag geht der Saldo der Zahlungen, den eine Bank abwickelt durch diesen Markt.

Die Banken hörten am 9. August 2007 auf, ihresgleichen hunderte von Millionen Euro ohne Sicherheit auch kurzfristig zu leihen. Die Geldhändler hatten Angst davor, dass sie das Geld nicht mehr wiedersehen würden, weil die Partnerbank in der Zwischenzeit pleite gehen würde. Es war eine berechtigte Angst. Die Banker wussten, welchen Schrott – meist Hypothekenkredite der ‚subprime‘-Qualität – das eigene Institut in den Büchern hatte. Wenn nur fünf Prozent der Ausleihungen faul werden, kann bei den niedrigen Eigenkapitalquoten, den Banken halten müssen, auch die ganze Bank weg sein. So weit war es an diesem Tag noch nicht. Aber ohne die Hilfe der Zentralbanken (die EZB lieh allein am 9. August 90 Mrd. Euro zusätzlich aus) wäre der große Bankenkrach sogleich passiert. Mehr dazu (204 KB)

 

09.07.2016 – jw - »Brexit« und retour

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Offene britische Immobilienfonds im Wert von 15 Milliarden Pfund hatten bis Mittwoch ihre Auszahlungen »eingefroren«. Das heißt, die Anleger können ihre Guthaben nicht mehr jederzeit zurückholen. Der Zweck eines »offenen« Fonds besteht für den Anleger gerade darin, über sein eingezahltes Geld jederzeit wie bei einem Girokonto verfügen zu können. Die Manager schließen sie in diesen Tagen nicht einfach aus Jux. Ihr Problem ist es, dass so viele Anleger ihr Geld zurückverlangen, dass jetzt – oder sehr bald – nichts mehr da ist. Und die Immobilien im Eigentum der Anlagegesellschaften können nicht schnell versilbert werden. Die Fonds sind also Opfer ihrer Strategie, jederzeit verfügbares Geld langfristig anzulegen. Mehr dazu (40 KB)

 

25.06.2016 – jw - Das Wichtigste vom Wirtschaftstag

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Die Termine des Regierungspersonals drängeln sich vor der Sommerpause. Am Donnerstag musste das halbe Bundeskabinett mit den Chefs einiger Arbeitgeberverbände und den Gewerkschaftsoberen einen ganzen Arbeitstag auf Schloss Meseberg verbringen. Es ging um die geringer werdende Tarifbindung. Nur die Hälfte der Betriebe sei noch von Tarifverträgen erfasst, berichtete Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Das wollen wir nicht, log Angela Merkel, die blinzelnd in der Sonne neben Gabriel stand. Vielleicht könne man Anreize für die Unternehmen schaffen, damit sie wieder mehr Tarifverträge schließen, sagte sie. Für willige Unternehmer könne man ja das Arbeitszeitgesetz etwas lockern. Das hatte die zuständige Ministerin, Andrea Nahles, vorgeschlagen. Ergebnisse wurden nicht erwartet, und die gab es auch nicht. Aber die Tarifpartner sind sich und der lieben Koalition einen Tag lang demonstrativ wieder näher gekommen. Mehr dazu (40 KB)

 

18.06.2016 – jw - Das System stottert

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Der Aktienmarkt zeigt Schwäche. Gleichzeitig sacken die Zinsen unter bisher gültige historische Tiefstände. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ist am Dienstag unter null Prozent gesunken. Selbst Zeitungen, Fernseh- und Radiosender, die sich sonst nie mit dem wichtigsten Eckpfeiler des Finanzmarktes befassen, haben dieses Mal darüber berichtet. Sie haben recht. Es ist von erheblicher Bedeutung, wenn ein Schuldkontrakt, der einen Umfang von etwa 500 Milliarden Euro weltweit hat, keine Zinsen mehr bringt, sondern so teuer geworden ist, dass der Käufer am Ende der Laufzeit weniger zurückerhält, als er zum Kauf aufgewendet hat. Zu dem Thema kann man die Aussage nicht oft genug wiederholen: Der nun weit verbreitete negative Zins ist keine Schikane der Notenbank(en) gegen die Sparer, sondern das bisher deutlichste Krisenzeichen am Finanzmarkt selbst: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Mehr dazu (40 KB)

 

11.06.2016 – jw - Aufschwung à la Bundesbank

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Vor zwei Tagen ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 0,03 Prozent abgerutscht. Das ist ein neues Rekordtief. Die Effektivverzinsung von Bundestiteln mit weniger als zehn Jahren Laufzeit ist mittlerweile negativ. Nicht überall in der Welt sind die Renditen für Staatsanleihen so niedrig wie in Deutschland. Aber fast überall werden neue Tiefstände verzeichnet. Es ist unbestritten, dass die extrem niedrigen Zinsen ein Zeichen für die schlechte Wirtschaftslage der Welt darstellen. In den USA, deren Wirtschaft und Kapitalmarkt immer noch den Ton für die Weltwirtschaft angeben, hat nach den jüngst enttäuschenden Zahlen vom Arbeitsmarkt die Zentralbank angedeutet, dass die eigentlich für diesen Monat ins Auge gefasste Leitzinserhöhung verschoben werden oder ganz ausfallen könnte. Mehr dazu (40 KB)

 

03.06.2016 – UZ - Fünf gegen Merkel

Ein Kommentar von Lucas Zeise zum Wirtschaftsgipfel in Japan

Man glaubt es kaum, aber die jüngste Veranstaltung in Japan war ein Wirtschaftsgipfel. Liest man die deutsche Qualitätspresse darüber, so kann man nette Bildchen sehen, die zeigen, wie Barack Obama über den Rasen des Shinto-Heiligtums in Ise-Shima wandelt, oder wie die sieben Staats- und Regierungschefs (G7 genannt) sich den Untergang der Sonne ansehen. In einigen besonders seriösen Blättern war auch zu lesen, dass die deutsche Kanzlerin Unterstützung bei den sechs Kollegen für ihre Behandlung der Flüchtlingsfrage bekommen hatte und dass sie darob sehr zufrieden gewesen sei. Manche Zeitung verwies auch darauf, dass Russland so schnell nicht wieder zum erlesenen Gipfeltreffen (dann wieder G8) eingeladen werden würde, dass im Gegenteil an den Sanktionen gegen das Land festgehalten werden solle und dass auch China getadelt worden sei, weil es im Chinesischen Meer immer mal wieder die Marine aufkreuzen lässt. Mehr dazu (200 KB)

 

21.05.2016 - jw - Warum Nullzinsen?

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Lucas Zeise - Die Banken- und Versicherungslobby hat ganze Arbeit geleistet. Auch unter Linken ist es mittlerweile gängige Ansicht, dass erstens die Normalbürger wegen der niedrigen Zinsen um ihr sauer Erspartes gebracht werden und dass zweitens Mario Draghi und seine Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen künstlich niedrig halten und damit verantwortlich dafür sind, dass die Sparer ärmer und die Spekulanten reicher werden. Meine Auffassung dazu ist, dass die EZB und ihr Chef zwar viele Missetaten begangen haben, dass ihre Nullzinspolitik aber die geringste davon ist.

Zur Behauptung über die »armen Sparer« kann man feststellen, dass Kleinanleger noch nie vom kapitalistischen Finanzsystem begünstigt wurden. Mal liegt der Zins für jederzeit fällige Guthaben knapp über, mal knapp unter der Inflationsrate. Reich ist damit noch niemand geworden. Es gab mal im großen Stil staatlich finanzierte Sparprämien. Da kam gelegentlich nach sieben oder auch zwanzig Jahren ein nettes Sümmchen zustande, das für den Auto-, vielleicht sogar Hauskauf eine gute Grundlage war. Aber von den Überschüssen der Lebensversicherungen oder den Zinsen auf Festgeld allein hat der Sparer selten mehr als gerade den Inflationsausgleich erreicht. Ganz ähnlich ist es heute. Die Inflation ist nahe null. Die Zinsen bei der Normalbank sind auch nahe null. Dass es dem Sparer heute wesentlich schlechter geht als früher, ist eine Erfindung der Finanzlobby. Die Lebensversicherer haben mit ihren Kümmererträgen trotz langer Laufzeiten jegliche Attraktivität verloren. Die Kunden schließen keine Verträge mehr ab. Die Banken leiden darunter, dass es zu wenig Schuldner gibt und dass sie von den verbleibenden nur Kümmerzinsen verlangen können. Es ist einfach zu viel Geld da, das verliehen werden möchte. Mehr dazu (40 KB)

 

14.05.2016 – jw - Über Geldhoheit

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Es mag ja unter den einigermaßen Wachen die Überzeugung geben, dass der Euro von Übel und die Währungsunion über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt ist. Wenn man dieser Meinung ist, sollte man sich die Frage stellen, wie man die Währungsunion abwickelt oder wie man im Fall ihres Auseinanderbrechens die negativen Wirkungen für die Bewohner der Euro-Teilstaaten gering hält. Es geht bei solchen Überlegungen auch nicht darum, sich stellvertretend für die Herrschenden einen Kopf zu machen. Der kluge ehemalige Vorsitzende der SPD und später der Linken, Oskar Lafontaine, hat vor etwa einem Jahr bemerkt: Man müsse, wenn man den Euro loswerden wolle, das Europäische Währungssystem (EWS) wiedereinführen, das es bis zum Start des Euro (als Buchgeld ab 1.1.2009, jW) in der EU gab. Darin hatten die Einzelstaaten ihre Währungen zusammengefasst, überließen deren Umtauschrelationen aber nicht dem Devisenhandel, sondern hatten ihre Zentralbanken beauftragt, die Wechselkurse in einer Bandbreite von nicht mehr als etwas über zwei Prozent schwanken zu lassen. Dies hat nicht gut funktioniert, aber besser als jetzt mit dem Euro, der vor allem den schwächeren Volkswirtschaften schadet.

Der Hauptvorteil einer Rückkehr zu eigenen Währungen bestünde darin, dass die Staaten Souveränität zurückerhielten und eine eigene Wirtschaftspolitik betreiben könnten. Um ihren Binnenmarkt zu schützen, wäre es beispielsweise Italien oder Spanien möglich, Lira bzw. Peseten in Relation etwa zur deutschen Mark abzuwerten. Mehr dazu (40 KB)

 

09.05.2016 – jw - Für wen Bargeld lästig ist

Fuer wen Bargeld laestig ist-kNorbert Häring erklärt, wie das aktuelle Geldsystem funktioniert und wie Banker und Politiker es stabilisieren und profitlich nutzen wollen

Von Lucas Zeise - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will für Barzahlungen eine Obergrenze von 5.000 Euro ansetzen. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, schafft den 500-Euro-Schein ab. Wer selten oder nie einen solch schönen Geldschein zu Gesicht bekommt, dem kann das ziemlich egal sein. Denkt er. Habe ich, ehrlich gesagt, auch gedacht. Bis ich Norbert Härings Buch über die geplante Abschaffung des Bargelds gelesen habe. Das ist nicht ganz richtig. Er hat mir seine Erkenntnisse über das Thema schon in zahlreichen Kneipensitzungen mitgeteilt und mich davon überzeugt, dass die Angelegenheit besondere Beachtung verdient. Norbert ist Redakteur bei der einzigen verbliebenen, auf Wirtschaft spezialisierten Tageszeitung, dem Handelsblatt. Zuvor hat er mit mir bei der Börsen-Zeitung und der Financial Times Deutschland gearbeitet. Er versteht etwas von Finanzen. Sein Blog norberthaering.de ist wirklich lesenswert.

Man könnte meinen, dass es der technische Fortschritt allein ist, der dafür sorgt, dass immer mehr Menschen zum Zahlen statt Bargeld Kreditkarten, EC-Karten etc. benutzen. Dass aber jetzt Banker und Politiker den Gebrauch von Bargeld einschränken und womöglich demnächst verbieten wollen, rechtfertigt höchstes Misstrauen. Die jüngste große Finanzkrise von 2007/08, in deren Verlauf das Finanzsystem und die Banken weltweit wackelten, um schließlich im Herbst 2008 von den Staaten vor dem Untergang gerettet zu werden, steht am Anfang der Kampagne gegen das Bargeld. Mancher wird sich vielleicht erinnern, dass Angela Merkel, die damals schon Kanzlerin war, die Bankenrettung mit den Worten einleitete: »Liebe Mitbürger, Ihre Einlagen bei den Banken sind sicher.« Das eben stimmte nur deshalb, weil die Bundesregierung 480 Milliarden Euro zur Rettung der Banken bereitstellte. Mehr dazu (48 KB)

 

07.05.2016 – jw - Bankenprobleme

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Der neue italienische Bankenrettungsfonds »Atlante« hat die Aktien aus der verunglückten Kapitalerhöhung der Banca Populare di Vicenza in Höhe von 1,5 Milliarden Euro übernommen. Die ehemalige Volksbank – immerhin das sechstgrößte Kreditinstitut in Italien – wird damit praktisch verstaatlicht. Was lernen wir daraus?

Erstens, trotz sogenannter Bankenunion in der Euro-Zone wird das gewöhnliche Rettungsgeschäft in Sachen Finanzinstitute unverändert auf nationale Rechnung betrieben. Zweitens, den italienischen Geldhäusern geht es nicht gut. Das ist kein Wunder. Warum sollten die Banken in einem Land florieren, dessen Wirtschaftsleistung immer noch unter der von 2007 liegt?

Im Nachbarland Schweiz, dessen Finanzkonzerne dank des Fluchtgeldes aus aller Welt als solide und zugleich ertragreich gelten, hat die UBS, die größte im Land und zugleich die größte Vermögensverwaltungsgesellschaft der Welt, einen Gewinneinbruch im ersten Quartal des Jahres bekanntgegeben. Man fürchtet, dass die Nummer zwei des Landes, die Credit Suisse, einen Verlust ausweisen wird. In der Schweiz ist die Wirtschaftslage – schon wegen des zu teuren Franken – miserabel. Die beiden Branchengrößen leiden aber mehr darunter, dass die weltweite Finanzspekulation, das sogenannte Investmentbanking, seit einigen Monaten nicht mehr gut läuft. Mehr dazu (40 KB)

 

16.04.2016 – jw - Schäubles Entlastungsoffensive

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Die halbjährlichen Treffen der Aufsichtsgremien des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank sind die Gelegenheiten, bei denen die Spitzen von Staat und Finanzkapital sich austauschen, gelegentlich kleine Scharmützel ausfechten und dann und wann auch Notfallpläne zur Rettung des Finanzsystems verabreden. Letzteres war zuletzt während der Herbsttagung 2008 und der Frühjahrstagung 2009 der Fall. An diesem Wochenende herrscht in Washington, wo Weltbank und IWF ihren Sitz haben und wo die Frühjahrstagungen stattfinden, leicht gespannte Unruhe, aber keine Panik.

Der IWF hat wie immer eine Lagebeurteilung vorausgeschickt. Sie ist wie in den letzten Jahren ziemlich düster. Die Weltwirtschaft sacke langsam in den Zustand der Stagnation, heißt es da. Das ist eine faire Zustandsbeschreibung, die allerdings schon seit Jahren gilt. »Die Weltwirtschaft wächst schon zu lange zu langsam«, sagt der Chefvolkswirt des Währungsfonds, Maurice Obstfeld. Woher die Stagnation kommt, darüber gibt die Lagebeurteilung keine Auskunft. Nur vorsichtig wird angedeutet, dass weniger krasse »Sparanstrengungen« der Staaten, besonders in der EU, einer Besserung der Wirtschaftslage zuträglich sein könnten. Keine Kritik übt der IWF an der deutschen Wirtschaftspolitik. Dabei hat die Bundesrepublik im vergangenen Jahr mit einer viertel Billion Euro einen neuen Rekordüberschuss in der Leistungsbilanz erzielt. Mehr dazu (40 KB)

 

26.03.2016 – jw - Geldregen vom Hubschrauber

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Wie wäre es denn, wenn die Europäische Zentralbank direkt Geldscheine an alle verteilen würde, statt den Banken Unsummen von frisch geschöpftem Geld zu leihen? Diese Frage wurde EZB-Chef Mario Draghi auf seiner jüngsten Pressekonferenz ganz harmlos gestellt. Draghis Antwort: Das sei ein »sehr interessantes Konzept«. Der EZB-Rat habe sich damit aber noch nicht befasst.

Das sehr interessante Konzept stammt ursprünglich von Milton Friedman, dem reaktionären Ökonomen aus Chicago und Gründer der Monetaristischen Schule. Er wollte zeigen, dass die Inflation immer und überall von der Menge des Geldes im Umlauf abhängt. Wenn also beispielsweise die US-Notenbank einen Hubschrauber mietet, einen Haufen Dollarnoten einlädt und dieses »Helikoptergeld« über den US-Städten niederschweben lässt, so würde der plötzliche Geldsegen die Bürger veranlassen, mehr zu kaufen, kalkulierte Friedman. Und höhere Nachfrage steigert die Preise, wie der Ökonom im ersten Semester an der Uni lernt. Friedmans Theorie wird auch heute noch ernst genommen, obwohl während der letzten 30 Jahre zwar die Geldmenge überall rasant gestiegen ist, während die Inflation sich immer weiter vermindert hat und heute in der Nähe von null liegt. Der Grund dafür ist einfach. Das viele Geld, das die Geschäftsbanken (mit dem Segen der Notenbanken) durch Kreditvergabe an betuchte Kapitalisten, an Staaten und an andere Banken schöpfen, kommt beim einfachen Volk nicht an. Mehr dazu (40 KB)

 

27.02.2016 – jw - Weidmanns Meinungen

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Die Deutsche Bundesbank hat am vergangenen Dienstag nach Feststellung ihres Jahresabschlusses 2015 den Gewinn von 3,2 Milliarden Euro an das Finanzministerium überwiesen. Das war etwas mehr als im Jahr zuvor, als es drei Milliarden gab, obwohl die Zinseinnahmen wegen des insgesamt niedrigeren Zinsniveaus geringer waren als 2014. Die Rückstellungen für Risiken seien dieses Mal niedriger gewesen, erläuterten die Bundesbanker am Mittwoch vor der Presse. Zwischen 2010 und 2012 hätten sie sich verpflichtet gefühlt, für die Anleihen, die sie im Rahmen des von der EZB beschlossenen Kaufprogramms erworben hätten, die Risikovorsorge auf insgesamt 14,4 Milliarden Euro zu erhöhen. 2015 habe man die Rückstellungen um 800 Millionen Euro verringert. Warum welche Risiken wie bewertet werden, sagten die Herren nicht. Wir haben es vielmehr mit dem Souveränitätsspiel zu tun, das nur diejenigen spielen können, die den Gewinn nach Belieben auf die gewünschte Größe zuschneidern können. Da selten jemand nachfragt und da die, die es ausnahmsweise tun, keine Antwort erhalten, können die Bundesbanker die ihnen zugesprochene Solidität durch souveräne Entscheidungen über sehr große Zahlen noch steigern. Mehr dazu (38 KB)

 

24.02.2016 – jw - Rotlicht: Rezession und Krise

Rotlicht Rezession und Krise-kVon Lucas Zeise - Die kapitalistische Wirtschaft entwickelt sich, wie wir aus leidvoller eigener Erfahrung wissen, nicht krisenfrei. Aufschwung- und Abschwungphasen lösen sich ab. Das Wort »Abschwung« ist unbefriedigend. Denn im Abschwung fehlt gerade der Schwung, der im Aufschwung den Absatz beflügelt, die Produktion antreibt, die Gewinne sowie die Investitionen und Beschäftigtenzahlen steigen lässt und zuletzt sogar die Löhne. Als ein besseres Wort für Abschwung bietet sich das Fremdwort »Rezession« an. Es bezeichnet einen Zustand, in dem der Absatz stockt, die Produktion und die Investitionen zurückgefahren werden, die Gewinne zurückgehen, Arbeiter entlassen werden und die Löhne sinken. Das ist eine nur ungefähre Beschreibung dessen, was in Aufschwung und Rezession geschieht. Nicht immer treffen alle Merkmale zu. Der alte Marx hat im 23. Kapitel des 1. Bandes des »Kapital« das Auf und Ab von Aufschwung und Krise beschrieben und analysiert.

Zwei seiner Erkenntnisse sind dabei besonders bemerkenswert: 1. Zum Ausbruch einer Krise oder der Unterbrechung des Aufschwungs kommt es unabhängig von äußerlichen Faktoren wie Missernten oder Erdölverknappungen. Es sind die Bewegungsgesetze des Kapitalismus selbst, die zur Krise führen. 2. Die typische kapitalistische Krise ist eine Überakkumulations- oder auch Überproduktionskrise. Damit ist gemeint, dass im Aufschwung, wenn die Profite hoch sind und noch steigen, die Kapitalisten in Erwartung dessen ihre Gewinne investieren und die Produktion erweitern, und zwar so lange, bis die Nachfrage, die letztlich von der langsamer steigenden Lohnsumme begrenzt wird, hinter der Produktion zurückbleibt. Wahrscheinlich sollte man noch 3. hinzufügen, dass nämlich auf dem Tiefpunkt der Krise die Preise für Rohstoffe, Betriebsmittel, Maschinen und vor allem Arbeitskräfte so niedrig geworden sind, dass es sich für die noch nicht pleite gegangenen Kapitalisten auch bei kümmerlichem Umsatz in jedem Fall lohnt, den Laden wieder in Schwung zu bringen. Mehr dazu (36 KB)

 

13.02.2016 – jw - Fallende Aktienkurse

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Dieses Mal konnten die Chinesen nicht schuld sein. Als in dieser Woche die Aktienkurse in aller Welt fielen, feierte man in China das Neujahrsfest, und die Börsen in Schanghai und Shenzhen waren geschlossen. Warum denn dann der Kurssturz? So einen schlechten Jahresbeginn hat der Dax noch nicht erlebt, erzählen uns die Nachrichtenagenturen. Den Börsenindizes in New York, Tokio oder London geht es nicht besser. Die Wahrheit ist so simpel, dass man sich scheut, sie aufzuschreiben: Was hoch steigt, muss tief fallen. Das gilt ganz besonders für Börsenkurse. Ihr Anstieg und ihr Sturz könnten allen, die nur ein Girokonto und etwas Reservegeld unter der Matratze haben, völlig egal sein. Wenn nicht die ganze Ökonomie, also die Grundlage der Gesellschaft, vom Finanzmarkt und den dort tätigen Bankern, Spekulanten und Finanzkapitalisten gesteuert würde.

Leider nämlich haben sich die Finanzmärkte, anders als manche halblinke Theoretiker uns weismachen wollen, von der »Realwirtschaft« nicht abgekoppelt. Um Profit zu erzielen, ist auch das Finanzkapital auf reale Produktion von Waren und ganz gewöhnliche Ausbeutung von Arbeitskraft angewiesen. Wenn das so ist, ist auch die Frage berechtigt, warum in den zurückliegenden fünf Jahren der Aktienmarkt so wunderbar gestiegen ist, während sich die Weltwirtschaft in schlechter Verfassung befand und speziell die europäischen Volkswirtschaften stagnierten. Die Antwort lautet, dass viele Unternehmen glänzende Gewinne gemacht haben. In Deutschland ganz besonders, obwohl auch hier das Wachstum kümmerlich blieb. So haben wir das sonderbare Phänomen, dass der Umsatz der Konzerne, wenn überhaupt, nur mäßig wuchs, der Gewinn aber dank relativ niedriger Löhne, gesunkener Steuerbelastung und geringer Finanzierungskosten noch zulegte. Es ist normal, ja im Sinne der Finanzkalkulation logisch, dass bei steigendem Gewinn der Aktienkurs ebenfalls anzieht. Mehr dazu (40 KB)

 

10.02.2016 – jw - Krisengewinnler

Deutsche Exporte auf Rekordniveau

Von Jörg Kronauer - Die deutsche Wirtschaft hat ihren nächsten Rekord erzielt. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, stieg der Wert der deutschen Exporte im vergangenen Jahr um 6,4 Prozent auf rund 1,196 Billionen Euro. Damit liegt er höher als je zuvor. Und glaubt man den Wirtschaftsverbänden, dann ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht in Sicht. In diesem Jahr dürften die Ausfuhren weiter zulegen, heißt es beim Außenhandelsverband BGA – um bis zu 4,5 Prozent. Während andere Länder in der Krise stecken, füllen sich deutsche Unternehmen hemmungslos die Taschen. Mehr dazu (38 KB)

 

06.02.2016 – jw - Unerwünschtes Bargeld

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich je zuvor auf derselben Seite wie Jens Weidmann (Präsident der Deutschen Bundesbank), Holger Stelzner (Herausgeber der FAZ) und der FDP befunden habe. Jetzt ist es geschehen. Es geht um das Vorhaben der Bundesregierung, Barzahlungen über 5.000 Euro per Gesetz zu verbieten. Das ist offensichtlich Bestandteil einer EU-weiten (oder sogar kapitalismusweiten) Kampagne, die Nutzung von Bargeld einzuschränken und es schließlich ganz abzuschaffen. Der Plan der Bundesregierung wurde am vergangenen Mittwoch offiziell bekannt. Einen Tag später bestätigte EZB-Präsident Mario Draghi, dass überlegt werde, den 500-Euro-Schein nicht mehr zu drucken.

Die beiden oben genannten Herren und die kleine, aber immer noch einflussreiche Partei verteidigen das Bargeld, weil, wie Weidmann sagt, der Deutsche gern bar zahle, weil, wie Stelzner schreibt, die »Feinde des Bargelds« nach »totaler Kontrolle« strebten. Und das FDP-Präsidiumsmitglied Volker Wissing formulierte elegant: »Bargeld ist gelebte Freiheit, die wir nicht preisgeben sollten.« Dass die Einschränkung der besseren Kontrolle der Bürger dienen soll, gibt die Bundesregierung offen zu. Terrorabwehr, Verhinderung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung sind ihre Argumente. Sie folgt dabei dem Beispiel Frankreichs, wo nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im vergangenen Jahr die Barzahlungsobergrenze von 3.000 auf 1.000 Euro abgesenkt wurde. Die Anschläge im November wurden damit allerdings nicht verhindert. Richtig ist aber, dass Polizei, die anderen Staatsorgane, die Bank und die Kommunikationsfirmen lückenlos jede unserer Geldübertragungen nachvollziehen können, wenn diese über das Konto statt in bar abgewickelt werden. Mehr dazu (40 KB)

 

23.01.2016 – jw - Die Wirkung des Finanzsystems

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Die ehrwürdige karitative britische Organisation Oxfam – NGO nennt man so etwas heute – hat wie vor zwei Jahren zum Auftakt des verrückten Weltwirtschaftsforums in Davos eine Studie über die extreme Ungleichverteilung des Reichtums dieser Welt veröffentlicht. Danach haben die 62 reichsten Personen mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der gesamten Weltbevölkerung, also etwa 3,5 Milliarden Menschen. Das ist so absurd, dass man es kaum glauben mag. Noch absurder ist die Tatsache, dass die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen weiter zunimmt. Wir haben noch kein Mittel gefunden, an all dem etwas zu ändern. Mehr dazu (40 KB)

 

23.01.2016 – jw - Sektlaune auf der Titanic?

Sektlaune auf der Titanic-kWährend die Mächtigen der Welt sich in Davos selbst feiern, nehmen an Börsen die Turbulenzen zu. Topökonom warnt vor Krise, »schlimmer als 2007«

Von Rainer Rupp - Die Musik in den Salons des sogenannten Weltwirtschaftsgipfels in Davos spielt für die Milliardäre, und die herbeigeeilten Politiker und Pressevertreter dienen sich ehrerbietig den wirklich Mächtigen an. Derweil droht die Titanic der realen Weltwirtschaft in gefährliche Schieflage zu geraten. Angeführt von einem breit angelegten Einbruch der Finanztitel setzte sich diese Woche der Sturzflug an den europäischen Aktienmärkten fort. Zugleich ist die prekäre Lage der Peripherieländer der Eurozone und deren nationaler Bankensysteme wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.

Vor allem italienische Bankaktien sind in den Keller gegangen. So haben die Wertpapiere der Banca Monte dei Paschi di Siena, die als älteste Bank der Welt gilt, seit Jahresanfang 47 Prozent an Wert verloren, allein am vergangenen Dienstag waren es gut 14 Prozent. Das Geldhaus hatte, ebenso wie etliche Landesbanken der deutschen Sparkassen, im großen Finanzkasino mitgezockt und verloren – und konnte nach 2008 nur noch mit staatlicher Hilfe über Wasser gehalten werden. Wie Reuters berichtete, werden die italienischen Anleger zunehmend nervös und fragen sich, wie der Bankensektor angesichts der extrem niedrigen Zinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB) überleben kann, und insbesondere, wie die Kreditinstitute ihre mehr als 200 Milliarden Euro Schulden je zurückzahlen können. Mehr dazu (46 KB)

 

16.01.2016 – jw - Obamas Hirngespinste

Obamas Hirngespinste-kWirtschaftsboom, Millionen neue Jobs, Zufriedenheit: In seiner Rede zur Lage der Nation dreht der US-Präsident mächtig auf. Die Krise wird ausgeblendet

Von Rainer Rupp - Immer höhere Schulden sind keine Basis für Wohlstand. Seit Tausenden Jahren ist es die Erfahrung der Menschen, dass es ihnen auf Dauer nur dann besser geht, wenn sie weniger verbrauchen, als sie produzieren, und den Überschuss in die Zukunft investieren. In den USA macht man das Gegenteil. Dort wird begünstigt, wer leichtfertig Schulden macht, um zu konsumieren, und dann noch mehr Schulden aufnimmt, um sowohl die Zinsen zu zahlen als auch den Konsum noch weiter zu erhöhen. All jene, die hart arbeiten und verantwortungsvoll sparen, gehen leer aus, vor allem wegen einer seit sieben Jahren betriebenen Nullzinspolitik. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Das haben die Finanz- und Wirtschaftskrisen gezeigt, die auch zu Beginn dieses Jahres wieder die Welt erschüttern.

Von Australien über Südafrika und Brasilien bis nach Kanada stecken viele Länder bereits in einer tiefen Rezession, also einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Das gilt auch für viele EU-Länder, die sich seit Krisenausbruch 2008 kaum erholt haben. In China entweicht zum Entsetzen der im Finanzkasino zockenden Mittelschicht die Luft aus diversen Spekulationsblasen. Die Aktien-, Immobilien- und Rohstoffpreise sind rapide gefallen und drohen die Realwirtschaft mitzureißen. Nur der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat in seiner alljährlichen »Rede zur Lage der Nation« so getan, als seien die USA die Insel der Glückseligkeit. Die Wirtschaft boome, die Arbeitslosigkeit sei so gut wie beseitigt, und der Wohlstand der Bevölkerung wachse, brüstete sich Barack Obama am Dienstag. Mehr dazu (44 KB)

 

02.01.2016 – jw - Die Folgen des Ölpreisverfalls

Die Folgen des OElpreisverfalls-kZu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Zum Jahresende hin ist der Rohölpreis noch einmal kräftig gesunken – auf unter 40 US-Dollar pro Barrel oder Fass (was etwa 159 Liter entspricht). Ein Jahr zuvor war Rohöl noch für um die 60 US-Dollar gehandelt worden. Und damals hatte der Rohstoff bereits einen sensationellen Preisverfall hinter sich. Es ist ein Skandal im Skandal des Kapitalismus, dass der wichtigste Rohstoff für die Weltwirtschaft (weit wichtiger als Weizen, Reis, Eisenerz oder Kupfer) so enormen Schwankungen unterliegt. Wenn der Ölpreis schnell steigt und eine Weile hoch bleibt, werden Volkswirtschaften, die Öl verbrauchen, in die Rezession gestürzt. Umgekehrt ergießt sich über Ölexportländer ein Einnahmesegen, der andere wirtschaftliche Aktivitäten im Lande hemmt und es abhängig macht vom Import von Industrieerzeugnissen. Wenn dann der Ölpreis plötzlich fällt, geschieht das Umgekehrte und hat wieder eine vorwiegend zerstörerische Wirkung. Je kleiner ein Land und je geringer entwickelt seine Industrie, desto verheerender wirken die Preisschwankungen. Mehr dazu (40 KB)

 

11.12.2015 – UZ - Blick in die Sackgasse

Blick in die Sackgasse-kKolumne von Lucas Zeise - Japan ist exotisch. Da hat die Führung des Unternehmerverbandes Keidanren (entspricht in Deutschland einer Kombination von BDA und BDI) den bei ihr organisierten Großkonzernen empfohlen, im kommenden Jahr 2016 die Löhne für ihre Arbeiter stärker zu erhöhen als im laufenden Jahr, als der durchschnittliche Lohnzuwachs 2,52 Prozent betragen habe. Dabei muss man wissen, dass die Inflation in Japan seit Jahren minimal, manchmal sogar leicht negativ ist. Spinnen die japanischen Bosse?

Natürlich. Aber nicht mehr als die unsrigen. Der japanische Unternehmerverband folgt den Anweisungen oder Empfehlungen des seit drei Jahren erfolglos amtierenden Premierministers Shinzo Abe. (Vielleicht folgt auch Abe dem Keidanren. Das ist wie in Deutschland, nicht immer ganz klar.) Abes Plan war es, das in der Dauerstagnation verharrende Land wieder in Fahrt zu bringen, indem der Staatshaushalt sich massiv bei der Notenbank verschuldete, ein großes Ausgabenprogramm (in Rüstung und Infrastruktur) aufgelegt und der Yen zur Förderung des Exports verbilligt wurde. Mehr dazu (178 KB)

 

28.11.2015 - jw - Verkehrte Welt

Verkehrte Welt-kNull- und Negativzinsen, Geld als unbegrenzte Ressource: Zentralbanker arbeiten am Untergang des Kapitalismus. Ein Fortschrittsszenario ist das indes nicht

Von Rainer Rupp - Unter der Führung Mario Draghis scheint die Europäischen Zentralbank (EZB) fest entschlossen, weiter in den unbekannten und wahrscheinlich hochgefährlichen Dschungel abenteuerlicher Geldpolitik einzudringen. Das geschieht, ohne einen Plan zu haben, wie man aus dem Dickicht je wieder herauskommt. Dennoch hat der EZB-Chef mit der exzessiven Gelddruckerei sein erstes Etappenziel erreicht: Ihm ist das Zauberkunststück gelungen, trotz immer höherer Schuldenberge der Euro-Mitgliedsstaaten deren Neuverschuldung immer billiger zu machen. Tatsächlich konnten vergangene Woche noch mehr Mitgliedsländer ihre Anleihen zu negativen Zinsen verkaufen – was heißt: Die Anleger zahlen dem Staat Geld dafür, dass er ihr Geld nimmt. Für einen Aprilscherz ist es die falsche Jahreszeit.

Zuerst waren es nur Schatzbriefe mit einer Laufzeit von drei Monaten. Inzwischen können einige Regierungen bereits Schuldverschreibungen mit sieben Jahren Laufzeit zu Negativzinsen verkaufen. Jeder Sparer, der einen solchen Schatzbrief kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger Geld vom Staat zurück, als er ihm gegeben hat. Allerdings wird der Kaufkraftverlust noch größer sein als die Summe der Negativzinsen, die Inflationsrate muss noch abgezogen werden. Sollte sich diese auch nur auf ein Prozent pro Jahr belaufen, addierte sich das über die Laufzeit zu einem erheblichen Verlust. Es ist eine der vielen derzeit zu besichtigenden ökonomischen Anomalien, die in einer rationalen Welt keinen Platz haben. Mehr dazu (42 KB)

 

21.11.2015 – jw - Ersaufen im Profit

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Es grenzt ans Absurde. Die Unternehmen in den kapitalistischen Ländern ersaufen in ihren Gewinnen. Volkswagen hatte gerade das Pech, von der US-Umweltschutzbehörde beim Schummeln mit Abgaswerten erwischt zu werden. Das kostet reichlich Geld für Strafzahlungen, zurückgeholte Fahrzeuge, Einbußen beim Absatz, Investitionen zur Korrektur und Verbesserung der Motoren. So summieren sich Einbußen, die die Wolfsburger selbst auf zehn Milliarden Euro oder mehr veranschlagen. Dennoch bleibt das Unternehmen profitabel. Das ist nur ein Beispiel, wie hoch die Margen für viele Firmen sind. Selbst wenn ihre Manager, wie im Fall VW, schwere Fehler machen, reicht es dank billiger Arbeitskraft und geringen Finanzierungskosten aus, um Verluste zu vermeiden.

Die Weltwirtschaftskrise befindet sich nun im achten Jahr. Dennoch hat es in Deutschland keine Pleiten von Großunternehmen gegeben. Selbst in den von der Euro-Krise und von den Zwangsauflagen geschüttelten Mittelmeerländern Italien, Griechenland, Spanien und Portugal sind richtige Konkurswellen ausgeblieben. Die private Armut dort ist – wie auch im angeblich florierenden Deutschland – erheblich gestiegen. Überall haben die Staaten die Steuern für Unternehmen, also das Kapital, gesenkt. Deutschland war unter Kanzler Gerhard Schröder und seinem Finanzminister Hans Eichel (beide SPD) bei dieser Gunstbezeugung an die Unternehmen ganz vorn und früh mit dabei. Die Lohnsenkung auf breiter Front, die weitere Entmachtung der Gewerkschaften, all das war und ist bis heute überall Regierungspolitik. »Reformen« zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes gehören zur Dauerforderung der Wirtschaftsberater, der Wirtschafts- und Finanzminister und internationaler Organisationen und Gebilde wie OECD, IWF oder EZB und EU. Mehr dazu (40 KB)

 

14.11.2015 – jw - Der Bankenmann aus Brüssel

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Die Bankenkrise ist vorbei. Das habe ich nebenbei, aber durchaus zitierbar am Mittwoch abend aus berufenem Munde gehört. Im Center for Financial Studies an der Universität Frankfurt am Main stellten drei ehrenwerte Professoren des beigeordneten Forschungsinstituts ihr frisch erschienenes hübsches Buch vor, das sich unter dem Titel »Financial Regulation« mit all dem befasst, was es im Gefolge der Krise ab 2007 an Regulierungsversuchen für den Amok laufenden Finanzsektor gegeben hat. Die vier Herausgeber(innen) des Bandes hatten auch jemanden gefunden, der ihr Werk wohlwollend kritisierte. Dieser Jemand war wegen des Streiks bei der Lufthansa aber nicht physisch anwesend, sondern mit Bild und Ton aus seinem Brüsseler Büro zugeschaltet. Sein Name: Mario Nava, gebürtig in Mailand. Nava (Doktor der Ökonomie) ist seit 1994 Beamter bei der EU-Kommission und seit Mai 2005 Chef der Abteilung »Regulierung des Finanzmarktes und Aufsicht«. Er ist also derjenige, der die Direktiven, Gesetzesanweisungen und Regeln für diesen Bereich in der EU entwirft. Er ist damit Thema des Buches, das er besprach. Mehr dazu (38 KB)

 

13.11.2015 – fr-online.de- Nach der Finanzkrise ist vor der Finanzkrise

Nach der Finanzkrise ist vor der Finanzkrise-kVon Nina Luttmer - Internationale Finanzjongleure spekulieren mit Billionen Dollar und beeinflussen damit die Weltwirtschaft. Das Internationale Finanzgremium warnt vor der wachsenden Bedrohung durch nicht regulierte Geldströme.

Schattenbanken – das suggeriert schon das Wort – tummeln sich gerne im Dunkeln. Regierungen und Aufseher weltweit haben daher erhebliche Probleme, konkrete Zahlen zu diesem Sektor zu erheben. Das Financial Stability Board (FSB) in Basel, in dem Aufseher, Regierungen und Notenbanker der G20-Staaten sowie Vertreter von Organisationen wie dem IWF und der Weltbank sitzen, versuchen es dennoch jedes Jahr aufs Neue. In ihrem fünften „Globalen Schattenbankenbericht“, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, kommen sie zu dem Ergebnis, dass der Sektor Stand Ende 2014 erneut gewachsen ist und zwar um 1,1 Billionen US-Dollar auf 36 Billionen US-Dollar (33,5 Billionen Euro). Zum Vergleich: Das weltweite Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2014 betrug 77,3 Billionen US-Dollar, was die gigantische Größe des Schattenbankensektors offenbart. Mehr dazu (132 KB)

 

09.11.2015 – jw - Rezession in Deutschland

Rezession in Deutschland-kIndustrieaufträge drastisch eingebrochen. Exportabsatzmärkte kaputtgespart

Von Simon Zeise - Die Zahlen zur Industrieauftragslage in Deutschland musste selbst die FAZ am Freitag als »ernüchternd« zur Kenntnis nehmen. 1,7 Prozent weniger Waren wurden im September geordert, hatte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitgeteilt. Und hier scheint sich ein Trend zu offenbaren, denn bereits im August waren die Aufträge um 1,8 Prozent zurückgegangen, im Juli um 2,2 Prozent. Seit vier Jahren hat es so einen Konjunktureinbruch nicht mehr gegeben. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen der VW-Affäre noch nicht mit eingerechnet sind. Das brachte selbst die Redaktion der Zeitung für Deutschland ins Grübeln. Sie vermutete, es könnte »mehr sein als eine jahreszeitlich bedingte Schwächephase«. Auch das Handelsblatt staunte. Schließlich stünden die harten Daten im Widerspruch zu den »positiven Stimmungsindikatoren«. »Volkswirte« hätten ein Wachstum um ein Prozent für das dritte Quartal 2015 vorhergesagt. Die wurden mit minus 2,8 Prozent von der Realität eingeholt. Einen Schuldigen für den wirtschaftlichen Niedergang hatte die FAZ ausfindig gemacht: »Den Hauptgrund für die Schwächephase der Industrie sehen die meisten Volkswirte in der verlangsamten Wirtschaftsentwicklung in Schwellenländern wie China, Brasilien oder Russland.«

Peter Hohlfeld, Referatsleiter am gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), widersprach dieser These. Gegenüber jW erklärte er am Freitag, dass dies nicht den Werten des Statistischen Bundesamtes entspreche, denn die Aufträge aus dem EU-Ausland seien im September um 0,7 Prozent gestiegen. Vielmehr seien die Umfänge der Bestellungen in der EU drastisch eingebrochen. Mehr dazu (42 KB)

 

30.10.2015 – jw - Lästiges Bargeld

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Man kann über die Banken ja auch mal etwas Positives sagen: Der Zahlungsverkehr funktioniert. Überweisungen gehen schneller als früher, und Fehlbuchungen sind relativ selten. Vermutlich haben die Kreditinstitute angesichts des Negativzinses für kurzfristiges Geld kein Interesse mehr, dieses im Zahlungsverkehr länger auf den Büchern zu halten als nötig. Im Einzelhandel wird die Barzahlung seltener. Statt dessen wird im Supermarkt immer häufiger mit der EC-Karte gezahlt.

Dennoch steigt der Umlauf von Bargeld. Besonders die großen Scheine sind offenbar begehrt. In der Währungsunion sind die 500-Euro-Noten die größten. Sie sind für den Einkauf wenig geeignet. Manche Tankstellen weisen die schönen Stücke zurück. Dennoch waren zuletzt 610 Millionen Exemplare im Umlauf, dies entspricht nominal 305 Milliarden Euro. Der aufgedruckte Wert des gesamten im Umlauf befindlichen Papiergeldes beläuft sich auf knapp über eine Billion Euro. Obwohl für den täglichen Einkauf eigentlich ungeeignet, macht der 500er also fast ein Drittel dieses Bestandes aus. Es liegt auf der Hand, dass deren Besitzer das Geld horten. Sie nutzen die Scheine als Wertaufbewahrungsmittel. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitierte jüngst die Bundesbank mit einer Schätzung darüber, wie die von ihr ausgegebenen Noten verwendet werden. Danach würden lediglich zehn Prozent für Zahlungszwecke im Inland genutzt. 20 Prozent würden dort gehortet und die restlichen 70 Prozent im Ausland. Mehr dazu (40 KB)

 

24.10.2015 – jw - John Cryans Rückzug

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Der neue Chef der Deutschen Bank, ein gewisser John Cryan, soll angekündigt haben, dass er die Boni seiner Händler und Investmentbanker um ein Drittel kürzen will. Im Vorjahr hat das größte Geldhaus der Bundesrepublik nach eigenen Angaben 1,7 Milliarden Euro als Sondervergütungen an diese Gruppe der Beschäftigten ausgeschüttet. Die Zahl ist sicher untertrieben. Aber für ein Unternehmen, das im dritten Quartal 2015 einen Verlust von 6,2 Milliarden Euro verbucht hat, wirkt sie immer noch beachtlich. Schließlich sind die gut bezahlten Investmentbanker für den riesigen Verlust wesentlich verantwortlich, der vor allem aus Rückstellungen für Prozessrisiken und mögliche Strafen in den USA bestand. Mehr dazu (38 KB)

 

17.10.2015 – jw - Krise, dritter Akt

Krise dritter Akt-kGesundbeten, Geld drucken, Abkassieren: Was 2007 begann, wirkt weiter. Jetzt droht erneut eine globale Rezession. »Führende Wirtschaftsmächte« ohne Plan

Von Rainer Rupp - Regierungen und Zentralbanken riskieren, die Welt in eine neue Finanzkrise zu stürzen, warnte dieser Tage der Internationale Währungsfonds (IWF). Andy Haldane, Chefökonom der Bank of England, vergleicht die aktuelle Lage in der Weltwirtschaft mit dem dritten Akt einer »Krisentrilogie«. Bekanntlich ereigne sich im letzten Teil immer »das Schlimmste«. Die UN-Unterorganisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) fordert von den Staaten mit fortgeschrittenen Volkswirtschaften im Westen, die öffentlichen Ausgaben und so die Nachfrage zu steigern, also eine Abkehr vom neoliberalen Dogma. Nur so könne der ökonomische Absturz der Schwellenländer aufgehalten werden. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ, auch »Zentralbank der Zentralbanken« genannt) in Basel mahnte kürzlich, die Zinsen seien schon viel zu lange viel zu niedrig. Das habe die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten geschürt.

Was ist los? Immer mehr Experten beschwören plötzlich einen bevorstehenden Zusammenbruch des globalen Finanzsystems. Der könne durch eine neue Rezession ausgelöst werden. Realismus oder Angstmache? Auf diesen Seiten der jW wurde in den zurückliegenden sieben Jahren immer wieder hervorgehoben, dass die Finanz-, Schulden- und Wirtschaftskrise von 2008 nie bereinigt wurde, sondern dass sie weiter unter der Oberfläche schwelt. Weder die kreativen Zahlentricks mit Wirtschaftsindikatoren, noch die Beteuerungen der Politiker und ihrer bezahlten Medienmacher, dass es der Wirtschaft toll gehe, konnten darüber hinwegtäuschen, dass sich seither die Wolken des nächsten Krisengewitters aufgetürmt haben. Mehr dazu (44 KB)

 

17.10.2015 – jw - Die japanische Krankheit

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Japan hat zur Jahreswende 1989/90 den entscheidenden Crash erlebt. Seit damals kümmert seine Wirtschaft vor sich hin. Die restliche Welt hat den großen Finanzzusammenbruch 2007/2008 erlebt. Ganz wie in Japan damals ist seitdem das Wachstum der alten kapitalistischen Länder mager geblieben. Immer von neuem wundern sich die Politiker, Finanzfachleute und Notenbanker, dass die Konjunktur selbst in einem so blühenden Land wie die BRD nicht anspringen will. Erst am Mittwoch setzte der zuständige Minister Sigmar Gabriel – den Wirtschaftsforschungsinstituten folgend – die Wachstumserwartung im laufenden Jahr um ein, zwei Zehntelprozentpunkte herab. In den USA hat die Zentralbank die mit Pomp angekündigte Leitzinserhöhung angesichts der sich nur träge entwickelnden Wirtschaft wieder verschoben.

Zur Dauerkrise Japans hat ein gewisser Richard Koo (Chefvolkswirt bei Nomura, der größten dortigen Investmentbank) die plausibelste Erklärung abgegeben. Er wies darauf hin, dass die Konzerne und Privathaushalte des Inselstaates sich im Finanzboom Ende der 80er Jahre enorm hoch verschuldet hatten. Als Aktienkurse und Immobilienpreise verfielen und Investitionen gestoppt wurden, seien die Unternehmen nicht mehr in der Lage gewesen, diese Kredite zu bedienen. Sie waren also pleite. Die Banken des Landes hätten die Unternehmenskredite nicht fällig gestellt, weil die Vielzahl offen deklarierter fauler Kredite sie selbst hätte umkippen lassen. Sie wurden vom Staat gerettet, der ihnen Zwangsfusionen verordnete und dafür Garantien übernahm. Im Ergebnis wurden halbtote Unternehmen, von Koo als »Zombies« bezeichnet, am Leben erhalten, die weder ihre Verschuldung nennenswert abbauen konnten, noch zu neuen Investitionen fähig waren. Mehr dazu (38 KB)

 

16.10.2015 – UZ - Eine Bitte an die Metaller

Eine Bitte an die Metaller-kKolumne von Lucas Zeise - Vor der Finanzkrise galt es in Politik, Management und natürlich bei den professionellen Volkswirten als ausgemacht, dass die Industrie im modernen Kapitalismus immer unwichtiger wird. Sie war nicht nur dreckig und mit körperlicher Arbeit verbunden, sie lieferte den Investoren, auf die es schließlich ankam, geringere Profite und weniger Wachstum als das blitzsaubere Dienstleistungsgeschäft. Die Favoriten waren damals weniger die Friseure, Einzelhändler und die als Facility Manager umbenannten Hausmeister sondern die Banker, Broker, Fondsmanager, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater, Immobilien- und sonstige Makler sowie die altbekannten Versicherungsvertreter. Sie alle aufzuzählen ist unmöglich. Der Dienstleistungssektor, streng wissenschaftlich auch als „tertiärer Sektor“ bezeichnet, blühte. Was wirklich blühte, war der Finanzsektor.

Ganz besonders in den sich entindustrialisierenden Ländern wie USA oder Britannien. Die früher dort real existierende Industrie ging allerdings nicht in Banken und Versicherungen auf, sondern wurde nach Asien transferiert. Das geschah auch in Deutschland, aber nicht ganz so heftig. So ist Deutschland unter den alten kapitalistischen Ländern das mit dem höchsten Anteil der Industrie an der Wertschöpfung. Die Metaller und ihre Gewerkschaft tun recht daran, das Geschwätz von wegen „Ende der Industriegesellschaft“ nicht zu befürworten, sondern sich für den Industriestandort Deutschland stark zu machen. Nur wie macht man das? Mehr dazu (170 KB)

 

10.10.2015 – jw - Was geschafft wird

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Wie – zumindest gefühlt – die halbe Nation hing ich am Mittwoch abend an ihren Lippen. Was würde sie, unsere Kanzlerin, im Gespräch mit der geschmeidigen und zugleich so einfühlsamen Moderatorin sagen? Es war das schon einmal gehörte: »Wir schaffen das.« Und gleich zu Beginn dieses Interviews, in dessen Verlauf das bewegende Thema und die ebenso bewegende Antwort darauf immer neu variiert wurden (und selbst mich zu langweilen begannen), fügte Frau Merkel dem ersten »Wir schaffen das« einen Nachsatz hinzu: »Wir müssen uns nur immer wieder fragen, was das heißt.«

Was in der Tat, schaffen wir denn da, wenn wir es schaffen? Eine Antwort habe ich an dem Abend nicht mehr erhalten. Folgt man Frau Merkel, geht es darum, ob die Landräte, Bürgermeister und ihre Angestellten genug Schulräume requirieren, Feldbetten aufstellen und Asylantragsformulare bereitstellen können. Und ob es gelingt, sowohl dem Arbeitsmarkt viele zusätzliche Kräfte zuzuführen als auch eine geeignete Kontrolle dieser Zufuhr vorzunehmen.  Bei alldem soll zugleich suggeriert werden, dies entspreche dem Willen der »christlichen« Partei, dem ihrer Anhänger und der der Mehrheit des Volkes. Wie man erfuhr, ist das gar nicht so einfach. Aber die personifizierte und wieder ganz unaufgeregte Zuversicht wirkte überzeugend. Mehr dazu (34 KB)

 

02.10.2015 – jw - Wagniskapitalismus fördern

Wagniskapitalismus foerdern-kStudie prognostiziert riesige Gewinne durch Digitalisierung. Finanzmarkt Deutschland soll dafür auf Vordermann gebracht werden

Von Simon Zeise - Es waren nicht gerade rosige Zukunftsaussichten, die Jörn Quitzau am Mittwoch in Berlin schilderte: »Die Digitalökonomie wird die Ungleichheit in der Gesellschaft vertiefen«, sagte der Volkswirt der Privatbank Berenberg. Das Bankhaus und das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) stellten die Studie »Digitalökonomie. Strategie 2030« vor. Durch die sogenannte vierte industrielle Revolution werde es viele »gigantische Gewinner« geben, aber auch »einige wenige Verlierer«, lautete Quitzaus Prognose. Die Sorge des Bankers: »Anlagebereites Investitionskapital ist in Deutschland reichlich vorhanden, es muss nur mobilisiert werden.« Die Bank fordert eine »neue Gründerzeit« für die Bundesrepublik.

Die Auswirkungen der »Industrie 4.0« könnten das bisherige Wirtschaftsmodell außer Kraft setzen. Dabei könnte die Digitalisierung mehr Arbeitsplätze vernichten als schaffen, so Quitzau. Im schlimmsten Fall wären 80 Prozent der Arbeiter nicht mehr im Produktionsprozess von Nöten, die könnten dann mit einem Grundeinkommen versorgt werden, so Quitzau. Es würden Märkte geschaffen, die nach dem Prinzip »The winner takes it all« funktionierten. Google, Amazon und Co. beschränkten sich nicht auf einen Wirtschaftszweig, sondern bauten ihre Monopolmacht in verschiedenen Sparten aus. Vom Musikdienst bis zum Rüstungskonzern. Es bestehe die Aussicht auf globale marktbeherrschende Stellungen. Das aktuell rasante Tempo der Veränderung in der Branche könne damit maßgeblich erklärt werden. Mehr dazu (44 KB)

 

26.09.2015 – jw - Synergieeffekte

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Frank-Jürgen Weise ist ein Tausendsassa. Missgünstige, ja fast kritische Journalisten fragten ihn, wie er denn die beiden Präsidentschaften, die über die Arbeitsagentur und dazu noch die über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zeitlich bewältigen wolle. In seiner Freizeit, wenn nötig in extra genommener Urlaubszeit, antwortete der wackere Mann. Er erhält keinen Cent mehr Gehalt/Pensionsansprüche für die doppelte Arbeit. Denn es ist ihm als Chef der Arbeitsagentur gesetzlich verboten, anderer »bezahlter« Arbeit als dem Management des deutschen Arbeitsmarktes nachzugehen.

War es wirklich klug von Innenminister de Maizière, diesen vielbeschäftigten Mann nun gerade mit dem Management der Flüchtlingsmassen zu betrauen, fragten sich die um die Regierung und das Versprechen der Kanzlerin besorgten Blätter. Angela Merkel hatte ja bekanntlich den denkwürdigen Satz von sich gegeben: »Wir schaffen das.« Wird das mit Frank-Jürgen gelingen? Oder wird er scheitern wie Winterkorn bei Volkswagen oder wie Mehdorn beim Hauptstadtflughafen? Mehr dazu (40 KB)

 

26.09.2015 – jw - Die Welt bewegt sich doch

Die Welt bewegt sich doch-kNeoliberale Globalisierung ist kein Naturgesetz, das Diktat globaler Multis kein Selbstläufer: Uruguay steigt aus Verhandlungen zum TISA aus

Von Rainer Rupp - Es gibt Hoffnung. Der Kampf gegen die Aufteilung der Welt unter wenige Riesenkonzerne mittels Abkommen wie die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) zwischen EU und USA muss nicht verloren gegeben werden. Das wichtigste Signal des Jahres dafür ist wohl auch deshalb von unseren Mainstreammedien ignoriert worden. Uruguay hat es tatsächlich gewagt, aus den womöglich noch strenger als bei TTIP geheimgehaltenen Verhandlungen über den internationalen Handel mit Dienstleistungen »Trade in Services Agreement« (TISA) endgültig auszusteigen. Wie das gelingen konnte, darüber hätten Globalisierungskritiker hierzulande sicher gerne mehr erfahren. Deutschlands »unabhängige und überparteiliche« Medien fanden diese Sensation keiner Erwähnung wert. Statt dessen übersättigten sie die Nachrichtenkanäle in den zurückliegenden Wochen mit emotionalisierten Berichten über Flüchtlingstrecks und gerieren sich als Sprachrohr einer Art neuer Welt: Das Großkapital macht auf Völkerfreundschaft.

Hinzu kam in der zurückliegenden Woche die Aufregung um den VW-Abgasbetrug. Der wurde kurzerhand zur nationalen Katastrophe erklärt, allerdings aus den falschen Gründen. Es geht weniger um den Prestigeschaden für die »deutsche Ingenieurskunst«, die übrigens durch die Softwaremanipulation von Volkswagen eine ganz andere Bedeutung bekam. Die BRD-Industrie wird dennoch kaum bleibenden Schaden davontragen. Trotz möglicher Strafzahlungen in Milliardenhöhe gilt das auch für den VW-Konzern. Die Umweltverträglichkeit hat beim Autokauf nie die ausschlaggebende Rolle gespielt – oder ist es nur eine optische Täuschung, wenn in gentrifizierten Latte-Macchiato-Großstadtvierteln ein SUV neben dem anderen steht? Das Fatale der VW-Affäre ist vielmehr, dass sie Washington jede Menge Munition und Hebel gibt, um in den weiteren TTIP-Verhandlungen den jüngst zaghaft aufgekeimten Widerstand deutschen Politiker platt zu walzen. Oder können wir doch von dem Land lernen, das gerne als die »Schweiz Lateinamerikas« bezeichnet wird? Mehr dazu (44 KB)

 

19.09.2015 – jw - Weiter Ausnahmezustand

Weiter Ausnahmezustand-kUS-Notenbank bleibt der Null verpflichet. Sogar Negativzinsen im Gespräch. »Preisfindung des Geldes« nach wie vor weitgehend aufgehoben

Von Rainer Rupp - Die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed vom Donnerstag wirft Fragen auf. Eine zentrale lautet: Wie schlimm muss es um die Finanzwirtschaft stehen, wenn die mögliche Erhöhung des Leitzinses durch die Fed um 0,25 Prozent zu einem weltbewegenden Ereignis wird? Noch vor acht Jahren hätte da niemand auch nur mit einer Wimper gezuckt. Am Donnerstag abend (MESZ) kreißte schließlich der Berg in Washington und gebar – nichts: Alles bleibt, wie es ist. Falls es nicht schlimmer wird.

Die Reaktion auf die Entscheidung in den USA war gemischt. Im Vorfeld schon hatte eine wachsende Zahl US-amerikanischer und internationaler Institutionen des Finanzestablishments mit zunehmender Lautstärke eine Fortführung der Nullzinspolitik gefordert, um »Panik und Unruhe« zu verhindern. Zu Wort meldeten sich der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank, aber auch die chinesische Regierung. Bekannte US-Experten wie Exfinanzminister Lawrence Summers und Nobelpreisträger Paul Krugman schlugen in dieselbe Kerbe, ebenso die Nummer eins unter den globalen Investmentbanken, Goldman Sachs. Deren Chef, Lloyd Blankfein, forderte die Beibehaltung des Status quo. Üblicherweise bekommt Goldman, was es von der Fed will. Mehr dazu (44 KB)

 

19.09.2015 – jw - Ein Hauch von Vernunft

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Die Zinsen bleiben auch in den USA auf Notstandsniveau, das heißt ganz nahe bei null Prozent. Auf diesem Niveau sind sie schon seit Dezember 2008, als die tiefe Krise noch frisch und jung war. Der seitdem andauernde depressive Zustand der US- und Weltwirtschaft hat das Nullniveau der Leitzinsen seitdem zur Konsequenz. Das gilt nicht nur für die USA, wo die Krise zuerst zugeschlagen hatte, sondern auch für Europa. Zuletzt wurden die Zinsen auch in den bis vor einem Jahr noch boomenden Ländern wie China, Indien und Brasilien gesenkt, wenn auch nicht so stark. Diese geldpolitischen Maßnahmen allein haben wenig gebracht. Die Weltwirtschaftskrise dauert weiter an und ähnelt immer mehr einer Depression. Völlig verrückt wäre es, in diesem Zustand der Wirtschaft die Zinsen hochzusetzen. Mehr dazu (34 KB)

 

18.09.2015 – UZ - Sieben Jahre nach der Lehman-Brothers-Pleite

Kolumne von Lucas Zeise - Es war ein bemerkenswertes Ereignis. Am 15. September 2008 meldete die Investmentbank Lehman Brothers mit Sitz in New York Insolvenz an. Das Ereignis markiert nicht den Beginn der Finanzkrise. Der fand ein Jahr früher, im August 2007 statt. Die Pleite von Lehman Brothers führte aber vor, wie der Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems ablaufen könnte. Weil Banken generell, aber eben auch Investmentbanken, ihre Geschäfte ganz überwiegend mit geliehenem Geld machen, führt die Insolvenz einer Bank zu riesigen Problemen bei ihren Gläubigern. Das sind naturgemäß auch Banken, die ihrerseits in Insolvenzgefahr geraten. Eine Bank-Pleite bedroht also unmittelbar das gesamte (nationale) Finanzsystem und damit die Zahlungsfähigkeit der Kapitalisten und einfachen Bürger. Das Bemerkenswerte an der Lehman-Brothers-Pleite war, dass sie (von der US-Regierung und Notenbank) zugelassen wurde. Mehr dazu (114 KB)

 

12.09.2015 – jw - Programmierter Aufprall

Programmierter Aufprall-kSpekulation weltweit nährt Kritik an US-Notenbank und Wall Street: Immer mehr Ökonomen wenden sich gegen Politik des billigen Geldes. Vermutlich vergeblich

Von Rainer Rupp - Es ist eine historisch einmalige Phase. Jahrzehntelang wurde weltweit die Verschuldung exzessiv vergrößert. Geht diese Zeit jetzt zu Ende?

Glaubt man den Vertretern der Mainstreammedien, geht es der Wirtschaft super. Aufgeblähte Aktienkurse dienen dafür als Beweis, ebenso wie eine vermeintlich rasant steigende Kauflust der Konsumenten. Doch es mehren sich besorgte Stimmen. Das von nahezu allen Regularien befreite Finanzkapital habe seine Grenzen erreicht. Notenbankguru Alan Greenspan, vom Kapital hochverehrter langjährige Chef der US-Notenbank Fed, der in seiner Amtszeit die Grundlagen für die größeren Finanzblasen geschaffen hatte, ist zur Cassandra geworden. In einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNBC in der vergangenen Woche prophezeite er den baldigen Zusammenbruch: »Bereits in den nächsten Monaten wird es zu einem Zusammenstoß von Schulden, Defiziten und (unterfinanzierten) Sozialprogrammen kommen, weltweit.« Mehr dazu (46 KB)

 

05.09.2015 – fr-online.de - Im permanenten Ausnahmezustand

Im permanenten Ausnahmezustand-kVon Stephan Kaufmann - Die Weltwirtschaft rutscht von einer Krise in die nächste. Die Enttäuschungen nehmen zu, die Aussichten werden trüber.

Kurt Tucholsky brachte es vor 84 Jahren auf den Punkt: „Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten“, schrieb er im September 1931. Das gilt noch immer. Seit einiger Zeit jedoch hat die Weltwirtschaft eine weitere Eigenschaft: Sie enttäuscht, zumindest die Experten. Jahr für Jahr sagen sie eine kräftige globale Erholung voraus, die aber stets mager ausfällt. Kaum geht es in einem Teil der Welt bergauf, gerät ein anderer in die Krise – derzeit sind die Schwellenländer dran. Die Zentralbanken halten dagegen, indem sie immer mehr Geld in die Welt pumpen. Das Resultat nennt die französische Bank Natixis „eine permanente Finanzkrise“.

Mit dem geringeren Wachstum in China und der Kapitalflucht aus den Schwellenländern erwartet die Welt die dritte Krise in nur einem Jahrzehnt. 2008 ließ die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die US-Immobilienblase platzen. Es folgte ab 2010 die Krise der Euro-Zone. Fast nahtlos schließen sich nun die Turbulenzen in Afrika, Asien und Lateinamerika an. Von Russland über Südafrika, Brasilien und der Türkei fallen die Währungen und Börsenkurse. In der Krise der USA und Europas war Kapital massenhaft in die Schwellenländer geströmt, finanzierte dort den Aufschwung, aber auch Überkapazitäten und Schuldenberge. Nun flieht es aus den einstigen Boom-Regionen. „Die Periode zwischen 2002 und 2007 wird als goldene Ära in die Geschichtsbücher eingehen“, schreibt Dominic Rossi, Chief Investment Officer der Fondsgesellschaft Fidelity, in der Financial Times. Mehr dazu (175 KB)

 

05.09.2015 – jw - Aus der Sackgasse

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Die Kapitulation der Syriza-Regierung in Griechenland hat ein paar Dinge geklärt. Frühere Euro-Befürworter wenden sich entnervt von der Vorstellung ab, die Strukturen und Institutionen könnten innerhalb der EU demokratisiert oder im Interesse der Mehrheit ökonomisch umgestaltet werden. Aber welche Haltung können sie (können wir) nun zur Euro-Währungsunion einnehmen? Es reicht nicht, sie einfach als Tatsache zu akzeptieren, gegen die anzurennen sinnlos ist. Beispielsweise blieb Linken 1990 nicht anderes übrig, als die Ausweitung des Geltungsbereiches der D-Mark auf die DDR hinzunehmen. Damals war klar, dass die Herrschenden an diesem Projekt festhalten würden und dazu in der Lage waren, es durchzuziehen. Beim Euro ist das anders. Diese Währungsunion wird für die relativ schwachen beteiligten Länder ökonomisch unerträglich, für die relativ starken auf Dauer zu teuer. Die Euro-Krise seit 2010 hat gezeigt, dass sich die Interessengegensätze durch die gemeinsame Währung verschärfen und wahrscheinlich recht bald zu einer Auflösung, einem Abbröckeln oder einer Spaltung führen. Auch in den Regierungszirkeln ahnt man, dass dieses System keine Zukunft hat und überlegt, wie die Kontrolle über das wirr strukturierte und damit gefährdete Imperium gefestigt werden kann. Mehr dazu (34 KB)

 

05.09.2015 – jw - Lichtblick für die Welt

Lichtblick fuer die Welt-kNeue Form von Kooperation mit Entwicklungsländern. Von China geführte Investitionsbank AIIB konterkariert den »Washingtoner Konsens«

Von Rainer Rupp - Die Berichterstattung westlicher Medien über das jüngste Gemetzel auf dem chinesischen Aktienmarkt hat den Blick auf eine langfristig weitaus bedeutendere Entwicklung für Asien, Afrika und Lateinamerika verstellt: Die von China geführte Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) steht laut der Nachrichtenagentur Reuters kurz vor ihrer Arbeitsaufnahme. Trotz aktueller Börsenturbulenzen werden das chinesische Volksgeld (Renminbi, Einheit Yuan) und die Entwicklungspolitik Pekings bei der Finanzierung neuer Infrastrukturprojekte in den Entwicklungsländern eine maßgebliche Rolle spielen. Das Land will im Rahmen der AIIB die bis dahin weltweit allein geltenden, von den USA und ihren neoliberalen Verbündeten aufgestellten Regeln der globalen Entwicklungsfinanzierung, aufheben. Das berichtete Reuters diese Woche unter Berufung auf vier hochrangige internationale Mitarbeiter der AIIB, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Anders als die von den USA dominierten Institutionen wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF), an denen bisher im Bereich Finanzierung von Entwicklungsprojekten kein Weg vorbeiging, wird die AIIB auf westliche Vorbedingungen wie Deregulierung, Abbau von Schutzzöllen und Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Infrastruktur verzichten. Weil sie den »freie Markt nicht mehr ins Zentrum der Bedingungen für die Kreditvergabe« stelle, habe die neue Entwicklungsbank »eine viel größere Entscheidungsfreiheit, um neue Entwicklungsprojekte zu finanzieren«, so Reuters. Mehr dazu (42 KB)

 

29.08.2015 - jw - Über fiktiven Reichtum

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Ist es bloß Theater, wenn die Aktienkurse fallen oder steigen? Die Spekulanten und Börsenhändler wissen, dass die Preise für Aktien nicht ins  unendlich klettern können. Dass bei den Börsenkursen nach dem langen und wüsten Anstieg ein Einbruch fällig war, ist sicher wahr, aber auch ein wenig trivial. Wahr ist auch, dass die leicht eingetrübte Lage in China für den Kurssturz verantwortlich war. China ist seit vielen Jahren das Kraftzentrum des Weltkapitalismus. Seit Beginn der Weltwirtschaftskrise ruhten alle Wachstumshoffnungen auf dem großen Land. Wenn die Hoffnungen jetzt – vielleicht nur teilweise – enttäuscht werden, ist es verständlich, dass Aktien nun billiger werden.

Der überwiegenden Mehrheit der Menschen kann so ein Aktiencrash schnuppe sein. Wenn die Nachrichtenagenturen schreiben, binnen weniger Tage seien mehrere Billionen Dollar oder Euro »vernichtet« bzw. »verbrannt« worden, nehmen wir das als eine Erkenntnis von bloß symbolischem Wert. Fallende Aktienpreise ändern an der realen Welt schließlich nichts. Die Reichen und Superreichen, denen diese Aktien gehören, sind unverändert Eigentümer. Nur wenn das nächste Mal die Zeitschrift Forbes die Liste der Superreichen weltweit aufstellt, werden Warren Buffett, Bill Gates und die Quandt-Geschwister ein paar Milliarden Dollar/Euro weniger »wert« sein. Die Welt wird ein ganz klein wenig gleicher geworden sein. Wenn das so ist, kann man sich darauf beschränken, die Börse als Symptom für die Gewinnaussichten der Unternehmen zu betrachten. Natürlich nur ein Symptom, denn oft irren die Spekulanten, und die Börsenkurse sind bekanntlich kurz vor dem Crash am höchsten. Mehr dazu (38 KB)

 

26.08.2015 – jw - Ist China schuld?

Globale Börsen mit Schluckauf

Von Klaus Fischer - Die Börsen »stürzen ab«. »Anleger« geraten in Panik. Billionensummen an Euro oder Dollar, Yuan oder Yen werden »verbrannt«. Der Weltuntergang ist nahe. Oder zumindest könnte man das annehmen, wenn man dieser Tage Medienberichte konsumiert. Eine Empfehlung: Der Verzicht darauf kann hilfreich sein.

Was derzeit an den Finanzmärkten geschieht, ist keine Naturkatastrophe. Es werden auch keine Werte vernichtet, sondern allenfalls umgebucht. Zumal schlecht vernichtet werden kann, was materiell nicht existiert. Börsenwerte und Marktkapitalisierung sind, bei allem Eifer der Protagonisten, solange imaginär, bis sie realisiert werden. Mehr dazu (38 KB)

 

22.08.2015 – jw - Das Schöne am Euro

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

»Merkels feiger Auftritt« stand in der Bild auf Seite eins, weil die Kanzlerin in der Debatte um das Griechenland-Paket nicht das Wort ergriffen hatte. Der alberne Vorwurf gegen die Dame flog den Machern der Seite vermutlich aus den Reihen der unwilligen Christdemokraten zu, die mit Finanzminister Schäuble und Fraktionschef Kauder vorlieb nehmen mussten, um die Vorteile des 86 Milliarden Euro umfassenden Pakets erläutert zu bekommen. Das Wort feige trifft wohl eher auf die Mehrheit der Abgeordneten zu, die aus Angst, Pöstchen zu verlieren, dem schrecklichen Deal zustimmten. Feigheit ist ein bei Rechten und ganz Rechten beliebter Vorwurf, der normalerweise für den politischen Gegner, besser Feind verwendet wird. Die Diffamierung von Frau Merkel als »feige« deutet auf Nervosität und Angst vor dem Scheitern hin. Von rechts, und das heißt vom Gros der veröffentlichten Meinung, werden die Knebelverträge gegen Griechenland nicht abgelehnt, weil sie Griechenland schaden, sondern weil die jetzt beschlossenen Ablösungskredite für die Schulden Griechenlands mit ziemlicher Sicherheit abgeschrieben werden müssen. Mehr dazu (38 KB)

 

22.08.2015 – jw - Eine Minute vor Zwölf

Eine Minute vor Zwoelf-kBillige Rohstoffe, extreme Verschuldung, kollabierende Finanzmärkte: Die neoliberale Globalisierung ist in die eigene Falle geraten

Von Rainer Rupp - In den vergangenen Tagen und Wochen findet man selbst in Mainstreammedien eine neue Sicht auf die globale wirtschaftliche Entwicklung. Offensichtlich können die sich häufenden Probleme und Verwerfungen nicht länger ignoriert werden. Da sind der längst überfällige, von »Experten« stets als unwahrscheinlich dargestellte Crash der chinesischen Aktienbörsen oder die von der US-Notenbank Fed für September angekündigte Erhöhung der Zinssätze und die damit zu erwartenden noch höheren Dollar-Kurse. Die Rohstoffpreise (Öl, Kupfer, Kohle, Eisen, etc.) sind abgestürzt. Und das weltweite Transportaufkommen sowie die Frachtpreise sind auf die Tiefstände des Rezessionsjahres 2009 gefallen. Viele Ökonomen sehen das als sicheres Zeichen dafür, dass die Weltwirtschaft auf Talfahrt gegangen ist.

Bemerkenswert ist der plötzlich einsetzende Vertrauensverlust in die vermeintliche Allmacht der Zentralbanken, die Wirtschaft ausschließlich mit der Geldpolitik und der Notenpresse zu steuern. Nun rächt sich das Versagen der Politiker, die in den zurückliegenden sechs Jahren keine Maßnahmen gegen die Umsetztung der neoliberalen Doktrin ergriffen haben. »Die Zeit, in der noch was getan werden kann, geht nun rasch zu Ende«, hieß es in einem Artikel von John Ficenec im konservativen britischen Blatt The Telegraph. Von China bis Brasilien, überall hätten die Zentralbanken die Kontrolle über die Finanzmärkte verloren, während zur gleichen Zeit die reale Wirtschaft weltweit zum Stillstand komme. »Die Weltuntergangsuhr für den globalen Finanzcrash« stehe »auf einer Minute vor Mitternacht«, so Ficenec. Mehr dazu (44 KB)

 

15.08.2015 – jw - Chinesische Abwertung

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Die Chinesen sind schuld, wenn die Weltkonjunktur einbricht. Sie sind auch schuld, wenn der (deutsche Aktienindex) Dax ein paar hundert Punkte einbüßt. Für die zweite These spricht vieles. Denn als die chinesische Notenbank an zwei Tagen hintereinander den Wechselkurs der chinesische Währung Yuan um fast fünf Prozent abrutschen ließ, gaben die Börsenkurse überall auf der Welt (außer in China selbst) kräftig nach. Besonders heftig fielen die Aktienpreise an der Frankfurter Börse, und dabei besonders stark die der Autokonzerne BMW, Daimler und Volkswagen. Was lehrt uns das?

Zunächst einmal, dass Aktionäre und Management der Autofirmen mit Gewinneinbußen rechnen, weil der Yuan billiger wird. Immerhin ist China der wichtigste Markt für die teuren PKW der drei Unternehmen. So schlimm kann der Effekt aber nicht sein, denn schließlich lassen die drei deutschen Unternehmen einen Großteil ihrer für Asien bestimmten Fahrzeuge in China fertigen. Vielleicht bedrückt die an der Börse Handelnden ja Grundsätzlicheres? Mehr dazu (37 KB)

 

13.08.2015 – jw - BRD-Wirtschaft: Exporte in die USA gleichen Verluste durch Russland-Sanktionen mehr als aus

Exporte in die USA gleichen Verluste durch Russland-Sanktionen mehr als aus-kVon Jörg Kronauer - Die Lage ist dramatisch. Um sage und schreibe 34 Prozent seien die deutschen Ausfuhren nach Russland in den ersten fünf Monaten 2015 eingebrochen, klagte Ende Juli der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Ex-Metro-Chef Eckhard Cordes. In absoluten Zahlen sind das Exportverluste in Höhe von rund 4,4 Milliarden Euro. Eine Wende ist nicht in Sicht, und so könnten sich die Einbußen deutscher Firmen, wenn die Bundesregierung bei der Sanktionspolitik gegen Russland das Ruder nicht herumreißt, am Jahresende leicht auf zehn Milliarden Euro belaufen, warnt Cordes. Tritt dieser Fall ein – und dafür spricht einiges –, dann wären die deutschen Exporte nach Russland von 38 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf nur noch 20 Milliarden Euro 2015 eingebrochen; sie hätten sich binnen drei Jahren fast halbiert. »Angesichts dieser dramatischen Entwicklung dürfte es nachvollziehbar sein«, konstatierte Cordes, »dass die deutsche Wirtschaft die Politik eindringlich bittet, die Anstrengungen zur Lösung der Ukraine-Krise weiter hochzuhalten«. Stimmt, das ist nachvollziehbar: 18 Milliarden Euro verliert niemand gern.

Allerdings verliert auch niemand gern deutlich mehr als 20 Milliarden Euro. Das ist die Summe, um die – zieht man die aktuellen Monatsdaten des Statistischen Bundesamts heran – die deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten von 2012 bis 2015 gestiegen sein werden, wenn kein gänzlich unerwarteter Einbruch erfolgt. Mehr dazu (36 KB)

 

11.08.2015 – jw - Krisengewinner BRD

Krisengewinner BRD-kStudie: Deutschland profitiert von Griechenland-Krise

Von Simon Zeise - Deutschland ist selbst bei einem kompletten Ausfall der griechischen Schulden Krisengewinner, berichtete dpa mit Verweis auf eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle am Montag. Von 2010 bis heute habe der deutsche Fiskus wegen der durch die Krise gesunkenen Zinslasten mehr als 100 Milliarden Euro gespart. Dies seien mehr als die rund 90 Milliarden Euro, die Griechenland Deutschland direkt und indirekt zum Beispiel über den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) schulde. »Diese Einsparungen übertreffen die Kosten der Krise – selbst dann, wenn Griechenland seine Schulden komplett nicht bedienen würde«, erklärten die Ökonomen aus Halle. »Deutschland hat also in jedem Fall von der Griechenland-Krise profitiert.« Die Erklärung der Forscher: In der Krise hätten Anleger aus aller Welt besonders sichere Anlagen gesucht. Dabei waren die deutschen Staatsschulden ganz besonders gefragt. Außerdem pumpte die Europäische Zentralbank Milliarden in den Markt. Die hohe Nachfrage drückte dann die Rendite. Die Folge: Deutschland konnte auslaufende Staatsanleihen durch solche ersetzen, für die viel niedrigere Zinsen als üblich fällig wurden. Mehr dazu (38 KB)

 

08.08.2015 – jw - Acht Jahre Finanzkrise

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Am Sonntag wird die Finanzkrise acht Jahre alt. Doch was geschah damals am Vormittag des 9. August 2007? Der Geldmarkt unter Banken hörte auf zu funktionieren. Dieser Markt befindet sich im Zentrum des Kapitalverkehrs. Hier leihen sich und verleihen die Geldhäuser kurzfristig Geld, mit Laufzeiten von einem Tag bis zu zwei Jahren. Die Zinssätze sind niedrig und immer ganz nah an den sogenannten Leitzinsen, mit denen die Notenbanken die Geschäftsbanken mit Geld versorgen. Zwar sind die Zinsen und die Zinsdifferenzen gering, dafür sind die Beträge riesig. Jeden Tag geht der Saldo der Zahlungen, den eine Bank abwickelt, durch diesen Markt. Das wahrhaft Erstaunliche aber ist: Ein großer Teil dieser riesigen Kredite, die die Akteure sich gegenseitig gewähren, findet ohne Sicherheiten statt, was bei der sonstigen Kundschaft, seien es Privatpersonen oder Großkonzerne, undenkbar wäre.

Am 9. August hörten die Banken auf, ihresgleichen hunderte von Millionen Euro ohne Sicherheit auch kurzfristig zu leihen. Die Geldhändler hatten Angst davor, dass sie es nicht mehr wiedersehen, weil die Partnerbank in der Zwischenzeit vielleicht pleite geht. Die Sorge war berechtigt. Die Geldhändler wussten ja ungefähr, welchen Schrott – meist Hypothekenkredite der »Subprime«-Qualität – das eigene Institut in den Büchern hatte. Wenn nur fünf Prozent der Ausleihungen faul werden, kann bei den niedrigen Eigenkapitalquoten, die Banken aufweisen müssen, das ganze Institut weg sein. So weit war es an diesem Tag noch nicht. Aber ohne die Hilfe der Zentralbanken (die EZB lieh allein am 9. August 2007 etwa 90 Milliarden Euro zusätzlich aus) wäre der große Crash sogleich passiert. Mehr dazu (38 KB)

 

08.08.2015 – jw - In der Sackgasse

In der Sackgasse-kDie Zentralbanken befeuern mit Geldschwemme und niedrigen Zinsen die Probleme am Kapitalmarkt, statt strukturelle Veränderungen anzugehen

Von Rainer Rupp - Die Kritik an der Geldpolitik der Notenbanken mehrt sich. Niemand anders als die in Basel beheimatete Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Zentralbank der weltweiten Zentralbanken, hat jüngst vor den inzwischen sichtbar gewordenen verheerenden Folgen der schon sieben Jahre lang verfolgten Nullzinspolitik gewarnt. Zentralbanken können mit einem Computermausklick zwar die Finanzmärkte mit neuem Geld überschwemmen und damit kurzfristig die reale Wirtschaft vor einem Absturz in die Rezession bewahren. Aber wenn die ökonomischen Probleme nicht konjunktureller, sondern struktureller Art sind, dann ist eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung allein mit geldpolitischen Mitteln nicht zu bewerkstelligen. Im Gegenteil, die strukturellen Probleme werden durch eine solche Politik nur noch vertieft und die mittel- und langfristigen Kosten »anhaltend ultra-niedriger Zinsen« seien »erheblich«. Mehr dazu (42 KB)

 

25.07.2015 – jw - Über Staatsschulden

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Die Staatsschulden sind zu hoch. Dieser Aussage stimmen rechte und linke Politiker und Ökonomen, ja auch Marxisten zu. Zu hoch vor allem im Vergleich zu weniger krisenhaften Zeiten. Die Höhe der Staatsschulden ist nicht die Ursache für die Probleme der kapitalistischen Welt, sondern ein Zeichen dafür, dass es nicht weitergeht wie bisher, dass wir es mit einer Krise zu tun haben. Nur während der beiden Weltkriege und unmittelbar danach waren die Staatsschulden in den kapitalistischen Volkswirtschaften höher, als sie jetzt sind. Betrachtet wird die Höhe der Staatsschulden im Verhältnis zur (jährlichen) Wirtschaftsleistung. Das sind die berühmten Staatsschuldenquoten. Die Statistikbehörde Eurostat der EU teilte am vergangenen Mittwoch mit, dass diese in der EU im ersten Quartal des Jahres weiter gestiegen ist: von 92 auf 92,9 Prozent am EU-Bruttoinlandsprodukt (BIP). Mehr dazu (38 KB)

 

18.07.2015 – jw - Global auf Abwärtskurs

Global auf Abwaertskurs-kDie EU »rettet« Hellas' Euro-Mitgliedschaft. Aber wer löst die nächste Weltrezession aus? Die USA, China und Japan bieten sich mit Nachdruck an

Von Rainer Rupp - Die Griechenland-Tragödie erheischt derzeit viel Aufmerksamkeit. Doch unbemerkt sind jenseits des Ringens um ein weiteres »Hilfsprogramm« für Hellas überall tiefschwarze Gewitterwolken aufgezogen. Die Aussichten für so etwas wie eine globale wirtschaftliche Erholung sind düster. Selbst US-Präsident Barack Obama, der sich als nimmermüder Meister des großen »Aufschwungs« in den USA gefeiert hat, musste diese Woche der Realität Tribut zollen: Am Dienstag sah sich das Weiße Haus gezwungen, die US-Wachstumsaussichten für 2015 von drei auf zwei Prozent zu korrigieren.

Nimmt man zur Kenntnis, dass die Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt, BIP) der Supermacht im ersten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft war, das zweite ebenfalls schwach ausfiel, darf man die Zwei-Prozent-Prognose optimistisch nennen. Im Juni war das Wachstum der Industrieproduktion auf 1,5 Prozent gefallen, so tief wie seit fünf Jahren nicht mehr. Auch das Verhältnis von Einzelhandelsumsatz zum Lagerbestand sei in einem Bereich, der »tief im Rezessionsterritorium liegt«, bemerkte das Finanzportal Zero Hedge (zerohedge.com). Angesichts anderer mieser Werte sei wieder »das große, rote Licht der Rezessionswarnlampe am Blinken«, so das Portal. Mehr dazu (48 KB)

 

17.07.2015 - Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek - »Geringe« sieben Prozent plus

Geringe sieben Prozent plus-kChinas Volkswirtschaft legt auch im zweiten Quartal kräftig zu, die Proportionen allerdings ändern sich

Chinas Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt; BIP) ist auch im zweiten Quartal um sieben Prozent gewachsen, teilt das Nationale Büro für Statistik in Peking Mitte der Woche mit. Das Ergebnis liegt leicht über den 6,9 Prozent, die Analysten erwartet hatten. Sieben Prozent plus entspricht punktgenau der makroökonomischen Planung der Regierung.

Im Vergleich zu den Wachstumszahlen der zurückliegenden 20 Jahre ist der BIP-Zuwachs tatsächlich etwas geringer, auch wenn sich die meisten Staaten derartige Steigerungen allenfalls wünschen können. Es ist vor allem auch ein Zeichen für den beginnenden Strukturwandel in der neben den USA weltgrößten Volkswirtschaft. Statt des weiteren Ausbaus der exportorientierten Zweige, vor allem der Industrie, steht inzwischen die Förderung des Binnenmarktes und des Dienstleistungssektors im Mittelpunkt der Pekinger Wirtschaftspolitik. Außerdem hat es in den vergangenen Jahren in den großen Städten des Landes einen rasanten Immobilienboom gegeben, der nun deutlich nachläßt. Mehr dazu (300 KB)

 

02.07.2015 – jw - Papiertiger des Tages: TGV, ICE, Shinkansen

Papiertiger des Tages-kKühn waren die Hoffnungen, hoch flogen die Erwartungen, als die VR China ankündigte, das ganze Land mit Hochgeschwindigkeitszügen versehen zu wollen. Das gewaltige Reich der Mitte, eine einzige Baustelle! Was da an Profiten schlummert! Und schnell sind sie ja, die Chinesen. Die Börsen in Japan und der EU reagierten spürbar und positiv.

Die konkurrierenden Eisenbahnsysteme, die im vergangenen Jahrhundert zu nationalen Prestigeprojekten erklärt wurden – der TGV aus Frankreich, der ICE der BRD, der japanische Shinkansen, der spanische Talgo – wollen exportiert werden. Und tatsächlich, China kaufte großzügig ein, mal bei Siemens, mal bei Bombardier. So rollen auf den – natürlich in Rekordzeit errichteten – Zigtausenden Gleiskilometern Triebwagen verschiedenster Bauart und Provenienz. Mehr dazu (34 KB)

 

27.06.2015 – jw - Warum die Stagnation?

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Vor drei Monaten hatte ich an dieser Stelle geschrieben, die US-Notenbank Fed werde »wahrscheinlich im Juni« ihren Leitzins etwas anheben. Da habe ich mich geirrt. Die Sitzung des Offenmarktausschusses ging vorüber, Fed-Präsidentin Janet Yellen sagte, die Zinsanhebung werde kommen, bloß jetzt noch nicht. Allerdings veröffentlichte die Notenbank düsterer werdende Prognosen für den Verlauf der US-Wirtschaft. Es fällt ihr offensichtlich schwer, angesichts eines gemeldeten Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal und ziemlicher Flaute im zweiten die Zinsanhebung vorzunehmen. Mehr dazu (36 KB)

 

25.06.2015 – jw - Kapitalismusrettung

Syriza-Regierung und »Institutionen«

Von Uli Brockmeyer - Was gegenwärtig mit und in Griechenland exerziert wird, ist gewöhnlicher Kapitalismus. Die wichtigsten Akteure in Brüssel, Washington, Berlin, Paris und auch in Athen wissen das, wenn sie auch völlig anderes behaupten. Es ging um Profit, als deutsche, französische, britische, US-amerikanische und andere Banken, dazu Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds, das Land in eine ruinöse Wirtschaftspolitik trieben, die griechische Volkswirtschaft Schritt für Schritt zerstörten und dem Land Kredite aufdrängten, die sie nun mit Zins und Zinseszins zurückfordern. Das alles im Einvernehmen mit den bisherigen, mal von »Sozialisten«, mal von Konservativen geführten Regierungen in Athen, die ebenfalls im Interesse der Besitzer zusammengerafften Reichtums handelten.

Angesichts der immer hoffnungsloser werdenden Lage stimmte eine relative Mehrheit der griechischen Wähler bei den jüngsten Parlamentswahlen für eine Partei, die sich als »links« bezeichnet und den Menschen einen Bruch mit der bisherigen Politik sowie Arbeitsplätze, sichere Renten und einen gewissen Wohlstand versprach. Statt jedoch zu erklären, dass die immensen Schulden samt Zinsen nicht die Schulden des griechischen Volkes sind, wie es die Kommunisten forderten, gab dieselbe »linke« Partei den in- und ausländischen Kapitalisten die Zusicherung, dass ihre Profite erhalten bleiben. Erwartungsgemäß wurden so gut wie alle Wahlversprechen in kurzer Zeit gebrochen, den meisten Griechen geht es heute schlechter als noch vor einem halben Jahr, es brodelt im Land. Mehr dazu (44 KB)

 

13.06.2015 – jw - Schulden und ein Wunder

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Auch in anderen Ländern kann das Leben hart sein. In Britannien zum Beispiel haben die Dummheit der Wähler und ein wahnwitziges Wahlsystem bei der zurückliegenden Abstimmung zu einer absoluten Mehrheit der erzreaktionären Tory-Partei im Unterhaus geführt. David Cameron als Premierminister und George Osborne als Schatzkanzler werden weitere fünf Jahre ihre Politik im Interesse der oberen Zehntausend betreiben. Cameron reist durch Europa, um gegen die Aufnahme von Immigranten zu hetzen. Osborne hat, wie es der jährliche Anlass wollte, am vergangenen Mittwoch eine Rede in London gehalten. Glaubhaft versicherte er den dort Anwesenden, dass seine Regierung alles tun werde, um die Zentralen der internationalen Finanzhäuser in der City zu halten. Keine höhere oder gar -Sondersteuer für Banker und keine Begrenzung ihrer Boni. Die im Zuge der Finanzkrise gekauften Bankenanteile sollen wieder veräußert werden. Sogar mit dem Verkauf der Aktien der Royal Bank of Scotland (RBS) soll begonnen werden. Auch die restlichen Staatsanteile an der Royal Mail (der britischen Post) werden verscherbelt. Dieser Verkauf ist schon angelaufen. Mehr dazu (36 KB)

 

04.06.2015 – nzz.ch - Abschaffung von Bargeld - Schöne neue Welt ohne Banknoten?

Schoene neue Welt ohne Banknoten-kUm Zinsen noch tiefer in den Negativbereich drücken zu können, wird eine Abschaffung von Banknoten gefordert. Eine solche Abschaffung führt zu einem Überwachungsstaat und beschneidet die Freiheit der Bürger.

Gastkommentar von Peter Bernholz - Man kann nur staunen: Da wird ernsthaft in London an einer Konferenz von Akademikern, Vertretern der Finanzbranche und von Zentralbanken über die Abschaffung oder Einschränkung des Gebrauchs von Banknoten diskutiert. Dieser Gedanke wurde zuerst vor einigen Jahren zur Diskussion gestellt durch Willem Buiter, den Chefökonomen der Citigroup, in unrühmlicher Nachfolge von Silvio Gesell. Inzwischen hat auch Harvard-Professor Kenneth Rogoff diese Vorstellung in etwas abgewandelter Form übernommen.

 Gewichtige Nachteile - Hintergrund der Debatte ist die Fixierung auf die Zinspolitik als einziges geldpolitisches Instrument der Zentralbanken. Sie soll derzeit angeblich besonders für die Europäische Zentralbank (EZB), wie zuvor für das Federal Reserve System (Fed), negative Zinsen erforderlich machen. Diese durchzusetzen, würde aber durch die Möglichkeit erschwert oder verhindert, grössere Beträge in Bargeld zu halten. Dabei ist man in den USA schon vor Jahren und jüngst auch in Europa zu einer ultraexpansiven Geldpolitik zurückgekehrt, wobei man dies unter dem neuen Begriff des «Quantitative Easing» zu verschleiern suchte. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht sich jetzt in ihrer Negativzinspolitik durch die Existenz von Bargeld beschränkt. In den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war eine ähnliche Fixierung bei monetaristischen Ökonomen und bei Zentralbanken auf die Geldmengensteuerung vorherrschend. Beide Übertreibungen waren und sind bedenklich. Die Tendenz zur Beseitigung des Bargelds setzt dem Ganzen nun quasi die Krone auf. Mehr dazu (145 KB)

 

29.05.2015 – nzz.ch- Finanzielle Repression 2.0 - Idee des Bargeldverbots steht für irrsinnige Welt

Idee des Bargeldverbots steht fuer irrsinnige Welt-kEin Verbot von Bargeld oder dessen Besteuerung wäre eine neue Eskalation der seit Jahren grassierenden finanziellen Repression. Der Widerstand gegen solche Ideen ist deshalb erheblich.

Von Michael Rasch - Die Idee einer staatlich verordneten Abschaffung von Bargeld löst nicht nur bei Bürgern Empörung aus, wie viele Leserbriefe zeigen, sondern sorgt auch für deutliche Reaktionen von liberalen Ökonomen. Ernst Baltensperger, einer der profiliertesten Geldpolitiker der Schweiz, zeigte sich im Gespräch sehr skeptisch gegenüber solchen Vorstellungen. Für ihn hat die Diskussion zwei Aspekte. Erstens gebe es einen gesellschaftspolitischen, weil die Abschaffung der Anonymität von Bargeld zwar mit hehren Motiven wie der Bekämpfung illegaler Geschäfte, Schwarzarbeit oder Schwarzgeld begründet werde. Dies führe aber auch zum weiteren Verlust von Privatsphäre. Zweitens existiere der technokratische Aspekt der Geldpolitik, da einige Notenbanken gerne die Nullzinsbegrenzung bei der Zinssteuerung aufheben würden. Konkreter Anlass der jüngsten Diskussion seien jedoch eindeutig die gegenwärtigen Grenzen der Geldpolitik. Mehr dazu (140 KB)

 

30.05.2015 – jw - Basteln an der Konjunktur

Basteln an der Konjunktur-kAus Minus wird Plus: US-Behörde schafft mit neuer Berechnungsmethode Aufschwung. Ähnliches gönnt sich die EU mit der »Schattenwirtschaft« seit 2014

Von Rainer Rupp - Gelegentlich kratzt die Realität am Traumpalast Weltwirtschaftsmacht Nummer eins: »In den USA bricht das Geschäftsklima zusammen«, konnte man am Donnerstag auf dem Finanzportal Zero Hedge (zerohedge.com) lesen. Tatsächlich drohen die aktuellen Konjunkturindikatoren die Laune beim Kapital zu vermiesen. So ist etwa der »Bloomberg Consumer Comfort Index« die siebte Woche in Folge gefallen. Das habe es seit Mai 2008 nicht mehr gegeben. Zugleich ist laut Marktforschungsunternehmen Gallup das Vertrauen der Verbraucher in die Zukunft auf den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember 2014 gefallen. Inzwischen erwartet die Mehrzahl der US-Amerikaner (53 Prozent), dass sich die Wirtschaftslage weiter verschlimmern wird. Zudem legte der Kaufklima-Index den größten Rückgang seit Dezember 2011 hin. All das passt nicht mit der von den Medien kolportierten ausgelassenen Stimmung der Verbraucher zusammen, die sich angeblich über niedrigere Öl- und Energiepreise freuen. Offensichtlich soll alles vermieden werden, was der Euphorie an den Börsen schaden könnte.

Doch Fakten verschwinden bekanntlich nicht, indem man sie ignoriert. In der US-Wirtschaft, in der 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) vom Konsum abhängen, stellt die Verbraucherzurückhaltung nicht nur die offiziellen Wachstumserwartungen für den Rest des Jahres 2015 in Frage. Die neuen Unsicherheiten könnten auch jenen gefürchteten Luftzug erzeugen, der das aufgetürmte Kartenhaus namens US-Finanzwirtschaft zum Einsturz bringt. Mehr dazu (46 KB)

 

23.05.2015 – nzz.ch - Finanzielle Repression 2.0 - Der Kampf gegen das Bargeld hat begonnen

Der Kampf gegen das Bargeld hat begonnen-kDie primär angelsächsische Diskussion über ein Verbot von Bargeld erreicht den deutschsprachigen Raum. Auch in der einst liberalen Schweiz werden früher undenkbare Massnahmen erwogen.

Von Michael Rasch - Regierungen, Notenbanken und linke Ökonomen leiten die nächste Stufe der finanziellen Repression ein: den Kampf gegen das Bargeld. Die Idee eines Verbots von Bargeld wird beispielsweise durch die beiden an der Harvard University lehrenden Ökonomen Kenneth Rogoff und Larry Summers unterstützt, im deutschsprachigen Raum reihte sich jüngst Peter Bofinger ein, der sogar im deutschen Sachverständigenrat sitzt. Die Forderung gewinnt an Popularität, weil Zentralbanken mit ihren negativen Zinsen gegenwärtig an Grenzen stossen. Sollten die Negativzinsen noch stärker ausgeweitet werden, könnte dies dazu führen, dass Sparer ihr Geld von der Bank holen und horten. Schlimmstenfalls könnte dies sogar zu einem Bank-Run führen. Mit einem Verbot von Bargeld würden Regierungen dieses Ausweichen der Bürger verhindern. Mehr dazu (78 KB)

 

23.05.2015 – jw - Weg mit der geprägten Freiheit

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Peter Bofinger ist derjenige der fünf Wirtschaftsweisen, der an entscheidenden Stellen den anderen vier widerspricht. Das macht ihn noch lange nicht zu einem wirklichen Weisen, aber man sollte ihm zuhören und seine Argumente ernst nehmen. Vor einer Woche trat er öffentlich dafür ein, das Bargeld abzuschaffen oder zumindest seine Nutzung einzuschränken. Einen Tag vorher hatte sich der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, ähnlich geäußert. Bargeld sei ein Anachronismus, sagen beide. Es sei vergleichsweise teuer. Vor allem, es werde immer weniger genutzt, außer von Geldwäschern, der Mafia und Schwarzarbeitsfirmen. Beide Volkswirte treten für eine langsame Reduktion des Bargeldes ein und schlagen vor, zunächst die großen Scheine abzuschaffen.

Frankreich hat die Grenze für Barzahlungen bereits von 3.000 auf 1.000 Euro gesenkt. Griechenland plant, dass Zahlungen von mehr als 70 Euro nicht mehr bar abgewickelt werden dürfen. Was bewegt die Wirtschaftsweisen und einige Regierungen, die schönen Geldscheine abschaffen zu wollen? Mehr dazu (40 KB)

 

23.05.2015 – jw - Asche zu Asche

Asche zu Asche-kDie Notenbanken der großen Wirtschaftsmächte USA, China, Japan und EU wollen Schulden mit mehr Schulden bekämpfen. Das geht gerade schief

Von Rainer Rupp - Von einigen Strohfeuern abgesehen, hat es seit 2007, dem Beginn der damals von den USA ausgegangenen globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, nirgendwo eine nachhaltige Erholung gegeben. Darüber können die Zahlenspiele der Statistikbehörden in den jeweiligen Ländern nicht hinwegtäuschen. Die Tatsache, dass die Zentralbanken in den USA, der EU, im Rest Westeuropas und in Japan, aber auch in den meisten anderen Ländern dem Bankensystem alljährlich weitere Billionen Dollar, Euro, Yen und Yuan zum Nullzins zur Verfügung stellen, sagt alles über den Zustand der Weltwirtschaft. Die Notenbanken wollen die Schuldenkrise mit noch mehr Schulden bekämpfen. Das hat nicht nur erneut zu riesigen Spekulationsblasen bei Vermögenswerten geführt, sondern auch die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von »unten« nach »oben« weiter beschleunigt.

Laut dem kürzlich vom McKinsey Global Institute veröffentlichten Bericht »Debt and (not much) deleveraging« waren Ende 2014 weltweit die Schulden auf 200 Billionen (bzw. 200.000 Milliarden) US-Dollar (das entspricht etwa 360 Prozent der Weltwirtschaftsleistung) angewachsen. Fast 29 Prozent dieser Verbindlichkeiten – 57 Billionen Dollar – sind allein in den zurückliegenden acht Jahren hinzugekommen. Der Bericht warnt vor den daraus erwachsenden Risiken für die Stabilität des globalen Wirtschaftswachstums. Vor allem aber sei die Gefahr eines Finanzkollapses groß, sollten die Zinsen wieder steigen. Letzteres aber bedeutet, dass bei einer Rückkehr zu normalen Wachstumsraten – und somit zu höheren Zinsen – dem System der Zusammenbruch droht. Nur ein radikaler Schuldenabbau könnte das verhindern. Der ist aber politisch unwahrscheinlich und würde eine neue Rezession, also eine Phase zurückgehender Wirtschaftsleistung einleiten. Fazit: Die Notenbanken haben die Weltwirtschaft in eine Schuldenfalle manövriert. Ein systemkonformes Entrinnen wird immer unwahrscheinlicher. Mehr dazu (44 K

 

21.05.2015 - derstandard.at - Moskau wirft Kiew Bankrotterklärung vor

Moskau wirft Kiew Bankrotterklaerung vor-kAndré Ballin aus Moskau - Russische Regierung taxiert Moskaus Ansprüche an Kiew auf 25 Milliarden Dollar

"Helft mit Dollars, nicht mit Worten", hat sich der ukrainische Premier Arseni Jazenjuk an die ausländischen Kreditgeber des Landes gewandt. Die ukrainische Führung braucht dringend eine Umschuldung, um den Staatsbankrott abzuwenden. Doch das geplante Manöver, mithilfe eines "Moratoriums" auf die Auszahlung von Schulden den Druck auf die Gläubiger zu erhöhen, hat einen gewaltigen Wirbel in Moskau entfacht.

Russlands Präsident Wladimir Putin sprach von einer "seltsamen Erklärung". "Den faktisch bevorstehenden Bankrott zu erklären, zeugt von einem nicht sehr hohen Niveau an Verantwortung und Professionalismus, auch wenn das Land von außen gesteuert wird", erhob der Kremlchef scharfe Vorwürfe gegenüber Kiew. Die Ukraine könne auch vom Internationalen Währungsfonds (IWF) keine weiteren Kredite mehr erwarten, wenn es den Default erkläre, fügte er hinzu. Mehr dazu (260 KB)

 

21.05.2015 – jw - Ein bisschen pleite

Ein bisschen pleite-kTestlauf für den kontrollierten Staatsbankrott? Ukrainische Eisenbahn meldet Insolvenz an und Parlament erlaubt selektive Zahlungsverweigerung

Von Reinhard Lauterbach - Die staatliche ukrainische Eisenbahngesellschaft Ukrsalisnyzja hat in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Wie das Unternehmen in Kiew mitteilte, war es außerstande, die Zinsen auf eine 2018 fällige Auslandsanleihe im Wert von 500 Millionen US-Dollar zu zahlen. Da der Zins der Anleihe 9,5 Prozent beträgt, ging es also letztlich um eine Summe von maximal 47,5 Millionen Dollar, die die Bahn und der für sie haftende ukrainische Staat nicht auftreiben konnten. Für den Zahlungsausfall (»default«) werden mehr oder minder plausible Gründe genannt, so die Auswirkungen des Kriegs in der Ostukraine, der Verlust der Kontrolle über die regionale Bahndirektion im Donbass und der durch die Wirtschaftskrise des Landes stark gesunkene Güterverkehr. Die Bahngesellschaft will jetzt in Verhandlungen mit ihren internationalen Gläubigern eine Umschuldung erreichen.

Der Zahlungsausfall hat angesichts einer nach den Maßstäben der Finanzmärkte unbedeutenden Summe zeigt auf der einen Seite, wie knapp in Kiew derzeit Devisen sind. Auf der anderen Seite lässt Beobachter genau dieser Bagatellbetrag stutzen. Die Überlegung liegt also nahe, dass die kleine Pleite der ukrainischen Eisenbahn – der Zahlungsausfall steht nur für gut zwei Prozent der gesamten Auslandsschulden des Landes in Höhe von 23 Milliarden US-Dollar – von Seiten der Regierung gezielt riskiert wurde, um die Folgen abzuschätzen, falls das Land als ganzes seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen sollte. Letzteres ist wahrscheinlich. Mehr dazu (44 KB)

 

20.05.2015 - Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek - Stillstand in Euro-Zirkus

Stillstand in Euro-Zirkus-kDeutsche Bundesbank betrachtet Lage in Griechenland als besorgniserregend. Notkredite lösen Problem nicht

Die Deutsche Bundesbank ruft Alarm, Athen gibt sich gelassen: Griechenland ist aus Sicht der unabhängigen Behörde der Staatspleite nahe. Die Lage sei »weiter besorgniserregend«, betonte die Notenbank der BRD in ihrem am Montag in Frankfurt am Main veröffentlichten Monatsbericht. Weniger aufgeregte Töne kommen aus der griechischen Hauptstadt. Dort sicherte Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis am Montag zu, man werde sowohl die Löhne und Gehälter der Staatsdiener am Monatsende überweisen, als auch den erneuten Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) nachkommen.

Was stimmt nun, und wie lange kann eine unlösbar scheinende Krise verschleppt werden, ohne daß es zum Zusammenbruch kommt? Das Dilemma ist offensichtlich: Athen braucht dringend Geld, um seine staatliche Funktionalität aufrechterhalten zu können, will sich aber den bislang üblichen Auflagen der »Geber« nicht beugen. Diese wiederum sind derzeit noch nicht bereit, neue – und alte – Gelder zu überweisen, wenn die griechische Regierung sich den »Reformauflagen« widersetzt. Selbst ein durchschnittlich begabter Politikwissenschaftler kann inzwischen ausrechnen, daß es nur zwei Möglichkeiten gibt: Staatspleite oder eine Alimentierung des griechischen Staatshaushaltes durch totalen Schuldenerlaß bzw. permanente Transferleistungen. Was das Problem »unlösbar« macht: Beiden Varianten haftet das Etikett »politisch unmöglich« an. Mehr dazu (235 KB)

 

16.05.2015 – jw - Lügen für den Aufschwung

Luegen fuer den Aufschwung-kFast alle US-Wachstumsprognosen der zurückliegenden Jahre waren falsch. Das ist kein Versehen, sondern ein Instrument zur Finanzmarktpflege

Von Rainer Rupp - Die statistischen Ämter der US-Regierung »stehen unter erheblichem Druck, nichts zu tun, was die Finanzmärkte erschüttern könnte«. Das schrieb Paul Craig Roberts, ehemaliger Chefredakteur des Wall Street Journal und stellvertretender Finanzminister unter Präsident Ronald Reagan in einer Analyse der US-Arbeitsmarktzahlen vom April 2015. »Wenn wir uns die tatsächlichen Details im Arbeitsmarktbericht anschauen, was die Finanzmedien nur selten tun, dann erkennen wir z. B., dass es in der herstellenden Industrie überhaupt keine neuen Arbeitsplätze gab und im Berg- und Holzabbau sowie in der Öl- und Gasförderung Arbeitsplätze netto abgebaut wurden«, so Roberts.

Zunehmend werde deutlich, dass der US-Arbeitsmarkt »eine Struktur aufweist, die der eines Landes der Dritten Welt gleicht«. Die meisten neuen Jobs seien »nur niedrig bezahlte Dienstleistungen« in und für die Haushalte der oberen Einkommensschicht. Die einst gutbezahlten Arbeitsplätze der Mittelschicht, einschließlich Ingenieurs- und Architekturjobs, seien zum größten Teil ins Ausland verlegt worden. Diese von aufeinanderfolgenden US-Regierungen geförderte Politik des »Off-Shoring« habe »zwar die Unternehmensgewinne und damit die Einkommen der Aktionäre und Führungskräfte erhöht, dafür aber die Einkommen der Mehrheit der Bevölkerung reduziert. Letztere müssen sich entweder mit niedrig bezahlten Stellen oder Teilzeitjobs abfinden oder sie werden in die Arbeitslosigkeit gezwungen«, so Roberts. Mehr dazu (48 KB)

 

13.05.2015 - derstandard.at - Moody's stuft klammes Chicago zu Ramsch ab

Moodys stuft klammes Chicago zu Ramsch ab-kVon Alexander Hahn - Nach der Pleite von Detroit ist wieder eine US-Großstadt in heftigen Turbulenzen. Ungedeckte Pensionsansprüche machen Chicago schwer zu schaffen

Einen herben Rückschlag muss Chicago beim Versuch, seine zerrütteten Finanzen zu sanieren, wegstecken: Moody's hat am Dienstag die Kreditwürdigkeit der drittgrößten Stadt der USA auf Ramschniveau zurückgestuft. Der Ausblick bleibt negativ, womit die Ratingagentur ihre Skepsis zum Ausdruck bringt, dass es Bürgermeister Rahm Emanuel gelingen wird, die Stadtfinanzen in den Griff zu bekommen.

Gewaltiges Loch - Konkret klafft ein gewaltiges Loch bei der Pensionsvorsorge für städtische Beschäftigte, das zu einer Milliarden Dollar schweren Prozesslawine führen könnte. Emanuel will mit zwei der insgesamt vier Pensionsfonds der Stadt Deals aushandeln, die die Begünstigten zu einem teilweisen Verzicht auf ihre Ansprüche bewegen sollen. Allerdings stehen diese Vereinbarungen auf einem wackligen juristischen Fundament, da gemäß der Verfassung des Bundesstaats Illinois die Pensionsansprüche von öffentlich Bediensteten unantastbar sind. Erst in der Vorwoche hatte das Höchstgericht des Staates eine aus dem Jahr 2013 stammende Reform des Pensionsgesetzes aufgehoben. Mehr dazu (170 KB)

 

07.05.2015 – jw - »Die Banken sind in einer miserablen Situation«

Die Banken sind in einer miserablen Situation-kInnerhalb der Wirtschaftseliten wird offenbar ernsthaft diskutiert, das Bargeld abzuschaffen. Ein Gespräch mit Rudolf Hickel

Interview: Ralf Wurzbacher - Rudolf Hickel ist Professor für Finanzwirtschaft und Forschungsleiter Finanzpolitik am Institut für Arbeit und Wirtschaft (IAW) an der Universität Bremen

Laut Presseberichten gibt es Planspiele bei den Wirtschaftseliten, das Bargeld abzuschaffen. Nach einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) geht es darum, für den Notfall einer neuerlichen Finanzkrise gewappnet zu sein. Wie ernst nehmen Sie das?

Sehr ernst. Die Debatte darüber, vom Bargeld wegzukommen, ist ja nicht neu und hat verschiedene Motive. Die ganze Logistik rund ums Bargeld – Transport, Geldautomaten, Auszahlungsschalter – verursacht gewaltige Kosten. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband gibt jährlich allein 1,1 Milliarden Euro für die Bereitstellung von Bargeld aus. Das würden sich die Banken natürlich am liebsten sparen. Außerdem könnten Drogenhandel, Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung niemals so florieren, gäbe es kein Bargeld. Nur jetzt kommt ein neuer Aspekt hinzu: Die Angst vor einem Crash …

der bargeldlos weniger heftig ausfallen könnte?

Es besteht offenbar die Sorge, dass die Banken sich in so großen Schwierigkeiten befinden, dass sie über kurz oder lang die Einlagen von Sparern mit Negativzinsen belegen. Damit würde das Halten von Geldanlagen bei der Bank praktisch unter Strafe gestellt, und plötzlich wären 100 Euro bei einem Fünf-Prozent-Strafzins nur noch 95 Euro wert. Um dem zu entgehen, würden die Menschen ihr Geld natürlich in Massen abheben. Wenn aber kein Bargeld mehr existiert, kann auch keines mehr gehortet werden. Mehr dazu (52 KB)

 

04.05.2015 – jw - Erkenntnis des Tages: Roboter verdrängen Jobs

Roboter verdraengen Jobs-kVon Susan Bonath - Wer hätte das gedacht: Die fortschreitende Automatisierung wird in den nächsten Jahren Millionen Arbeitsplätze überflüssig machen. Zu dieser »Erkenntnis« gelangten jetzt Volkswirte der Bank ING-Diba mit Sitz in Frankfurt am Main. Ihren Berechnungen zufolge wird langfristig die Arbeitskraft von fast 60 Prozent der rund 31 Millionen Beschäftigten in Deutschland von Maschinen und Computern ersetzt. Betreffen werde dies vor allem Sachbearbeiter, Hilfskräfte, Verkäufer, Produktionsarbeiter. Die »Übernahme durch Maschinen« passiere »schleichend«, blickten sie voraus.

Dass dies bereits seit Beginn der Industrialisierung geschieht, erwähnen die »Experten« nicht. Mithin ist ihnen aufgefallen, dass die Entwicklung eine »soziale Bombe« sei und »erhebliche Sprengkraft« berge. In der Tat, darin steckt der Wurm: Einerseits entwickelt der Mensch Technologien, um sich von schwerer Arbeit zu befreien. Zugleich hält er, scheinbar denkbefreit, am frühkapitalistischen Produktionsmodell fest. Zwar sind die Arbeitstage kürzer, der Urlaub mehr geworden. Doch die hart erkämpften Rechte werden längst wieder aufgeweicht. Die Bombe tickt zuerst für Niedriglöhner und Freigesetzte. Für sie wird der Fortschritt zur Falle. Behörden wurden konzipiert, um Erwerbslose mit entwürdigenden Maßnahmen, Leiharbeit und Sanktionen zu drangsalieren. Man gönnt ihnen nicht die Butter auf dem Brot. Die Schlangen an Tafeln und Suppenküchen werden länger, die Matratzenlager Obdachloser größer.

Doch selbst dem dümmsten Kapitalisten dürfte klar sein: Am Ende gräbt er sich auch selbst das Wasser ab. Die Wirtschaft habe »ein chronisches Nachfrageproblem«, konstatierte selbst der »Wirtschaftsweise« Peter Bofinger Anfang dieses Jahres. Kein Wunder, rationalisiert sie doch mit ihren Arbeitskräften auch die Konsumenten weg. Autos kaufen nun mal keine Autos. (sbo) Der Artikel in PDF (32 KB)

 

22.04.2015 - Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek - Athener Dilemma

Athener Dilemma-kVon Rainer Rupp - Renten auszahlen oder beim Internationalen Währungsfonds Schulden abstottern? Griechenland scheint derzeit nur eines davon zu können

Wenn die Londoner Buchmacher keine Wetten mehr annehmen, weiß jeder, das Rennen ist gelaufen. Bekanntlich kann man bei »Bookies« sein Geld auf alles setzen, egal wie absurd die Wette scheint. Auch darauf, ob Griechenland 2015 die Euro-Zone verlassen wird. Am vergangenen Donnerstag jedoch gab das führende Wettbüro William Hill bekannt: Es werden keine »Grexit-Wetten« mehr angenommen. Es werde »immer wahrscheinlicher, daß der Prozeß des griechischen Austritts schon in Kürze beginnen könnte«, so Sprecher Graham Sharpe. »Niemand will mehr auf Griechenlands Verbleib in der Euro-Zone bis zum Jahresende wetten. Wir haben beschlossen, den Stecker zu ziehen.«

Am selben Tag ließ Christine Lagarde Griechenlands Finanzminister Janis Varoufakis abblitzen. Laut der Londoner »Financial Times« hatte der zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank nach Washington geeilte Politiker den Fonds um eine Umschichtung des Schuldentilgungsplans gebeten. Die Regierung könne sonst die Ende April fälligen Renten und Löhne im öffentlichen Sektor in Höhe von zwei Milliarden Euro nicht bezahlen. Mit dem Verweis, daß der IWF so etwas seit 30 Jahren nicht mehr getan habe, wurde er abgewiesen. Ebenso verlief sein »privates« Gespräch mit USA-Präsident Barack Obama. Nirgendwo sind neue Kredite in Sicht, aber im laufenden Jahr werden weitere 20 bis 23 Milliarden Euro an Rückzahlungen fällig. Mehr dazu (330 KB)

 

18.04.2015 – fr-online.de - Griechenland vor Milliarden-Deal mit Russland

Griechenland vor Milliarden-Deal mit Russland-kEinem Bericht zufolge kann Griechenland auf eine Geldspritze von Russland hoffen. Eine Vereinbarung über das Energieabkommen soll Griechenland bis zu fünf Milliarden Euro einbringen.

Griechenland steht einem Medienbericht zufolge vor der Unterzeichnung eines milliardenschweren Energieabkommens mit Russland. Die Vereinbarung könnte dem von der Pleite bedrohten Land kurzfristig bis zu fünf Milliarden Euro in bar in die Staatskasse spülen, berichtet "Spiegel Online".

Das Abkommen solle voraussichtlich am Dienstag unterzeichnet werden. Dem Bericht zufolge soll das Geld in Form einer Vorauszahlung für die neue Pipeline Turkish Stream fließen, die russisches Gas über die Türkei und Griechenland nach Europa bringen soll. Die Höhe der Vorauszahlung wird mit drei bis fünf Milliarden Euro angegeben. Mehr dazu (320 KB)

 

11.04.2015 – jw - USA »abgehängt«

USA abgehaengt-kChina gründet eine Entwicklungsbank – und alle machen mit. Exfinanzminister Summers ist sicher, dass sein Land den Status einer ökonomischen Supermacht verloren hat

Von Rainer Rupp - Die USA haben laut Lawrence (Larry) Summers soeben ihren Status als ökonomische Supermacht verloren. Der ehemalige Chefökonom der Weltbank und US-Finanzminister leitete zeitweise den nationalen Wirtschaftsrat Präsident Barack Obamas und lehrt derzeit in Harvard als Wirtschaftsprofessor. Es ließ aufhorchen, als er diese Woche im US-Finanzportal zerohedge.com erklärte, dass im März »der Moment« gekommen war, »an dem die Vereinigten Staaten ihre Rolle als Emissionsbank des globalen Wirtschaftssystems verloren haben«. Er bezog sich damit auf die Gründung der von China ins Leben gerufenen Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) am 31.3. dieses Jahres. Mehr dazu (48 KB)

 

27.03.2015 - Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek - Gerangel um Renminbi

Gerangel um Renminbi-kVon Aloyse Bisdorff - EU-Staaten wollen bei Gründung von Entwicklungsbank in Peking dabei sein

Seit Jahren bemüht sich China um eine Anpassung der Strukturen aus dem Vertrag von Bretten Woods – namentlich der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds – an das heutige wirtschaftliche Kräfteverhältnis in der Welt. Diese Strukturen werden, was die Stimmrechte anbelangt, seit Ende des Zweiten Weltkrieges noch immer von den USA und ihren NATO-Verbündeten dominiert, obwohl deren Anteil an der Weltwirtschaft besonders im Vergleich zu China und anderen großen Entwicklungsländern wie Indien und Brasilien stark zurückgegangen ist.

Im Jahre 2008 gestand man China – nicht auf Kosten der USA, sondern der europäischen Verbündeten – eine leichte Erhöhung der Stimmrechte zu, doch der Kongreß der USA hat dieses Abkommen nie ratifiziert, so wie er viele internationale Abkommen nicht ratifiziert, da sie den Interessen der USA zuwiderlaufen würden. Mehr dazu (300 KB)

 

03.03.2015 - derstandard.at - Großes Bankensterben in der Ukraine

Grosses Bankensterben in der Ukraine-kDie Zentralbank hat im vergangenen Jahr 30 Kreditinstitute dichtgemacht, heuer weitere zehn, jetzt ist die viertgrößte Bank pleite

Kiew - Das viertgrößte Kreditinstitut der Ukraine ist pleite. Die Delta Bank wurde am Dienstag von der Zentralbank für zahlungsunfähig erklärt. Zentralbank-Chefin Walerija Gontarewa sagte, dem Geldhaus sei es nicht gelungen, "rasche, effektive und wirksame Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Finanzen" einzuleiten. Delta habe "riskante Geschäfte" gemacht.

"Die Bank hat sich entschieden, Unternehmenskredite zu vergeben, obwohl sie unglücklicherweise nicht genügend Expertise in diesem Bereich hatte", sagte Gontarewa.

Delta hat eine Bilanzsumme von rund 60 Mrd. Hryvnia (rund 2 Mrd. Euro). 94 Prozent der Kontoinhaber sollen ihr gesamtes Guthaben zurückbekommen, erklärte die Zentralbank. Sie garantiert für eine Summe von bis 200.000 Hryvnia (6.720,50 Euro).

Die Zentralbank hat im vergangenen Jahr 30 Kreditinstitute dichtgemacht. Seit Jahresbeginn kamen weitere zehn hinzu. Viele Geldhäuser waren bereits während der Finanzkrise 2008/09 angeschlagen. (Reuters, 3.3.2015) Der Artikel in PDF (160 KB)

 

28.02.2015 - Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek - Es gibt keine Lösung innerhalb der EU

Es gibt keine Loesung innerhalb der EU-kGastkommentar von Eugene McCartan - Das Frohlocken des Establishments und seiner gezähmten Medien über einen erzwungenen Rückzieher von Syriza bei den griechischen Schulden und dem andauernden Austeritätsprogramm verschleiert kaum deren völlige Mißachtung gegenüber den Menschen.

Es spielt eigentlich keine Rolle, ob jemand meint, daß Syriza zwangsläufig vor den Forderungen der EU kapituliert hat, oder aber gehofft hat, daß die griechische Regierung aufstehen, die Forderungen anfechten, das griechische Volk verteidigen und aus der EU heraus eine andere Richtung einschlagen und sich dem IWF entgegenstellen würde. Diejenigen, die sich darum sorgen, die Interessen des Volkes voranzubringen, müssen ernsthafter darüber nachdenken, was eigentlich die letzten zwei Wochen deutlich gemacht haben.

Eine der Lehren muß darin bestehen, daß die Verträge, von denen sich die Europäische Union leiten läßt, in der Praxis nicht nur eine radikale Lösung verhindern, die auf die Interessen des Volkes gerichtet wäre, sondern sogar in ihrer Wirkung abgeschwächte Keynesianische Politikansätze unmöglich machen, und daß die bestimmenden Kreise fest entschlossen sind, mit der Krise des Kapitalismus auf Kosten der schaffenden Menschen fertig zu werden. Mehr dazu (360 KB)

 

21.02.2015 – jw - Der Dollar-Thron wackelt

Der Dollar-Thron wackelt-kChina und Russland einigen sich auf eigenes System zum grenzüberschreitenden Finanzhandel. US-Währung verliert immer mehr an Bedeutung.

Von Rainer Rupp - Vor dem Hintergrund der Krisen in der Ukraine und in Griechenland ist am Mittwoch die Meldung des auf Finanz- und Wirtschaftsnachrichtern spezialisierten Internetportals Zero Hedge kaum wahrgenommen worden, wonach sich nicht nur die »Entdollarisierung« des internationalen Handels- und Zahlungsverkehrs »weiter beschleunigt«, sondern Russland auch »drei Monate früher als erwartet« den Start der russisch-chinesischen Alternative zum westlichen SWIFT-System (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) angekündigt hat. Russland und China scheinen fest entschlossen, die Dominanz des US-Dollars als Weltwährungsreserve zu brechen.

Das in Belgien beheimatete westliche SWIFT bietet mehr als zehntausend Finanzinstituten rund um die Welt ein bis 2013 für sicher gehaltenes Kommunikationsnetzwerk, über das alltäglich Transaktionen von Billionen US-Dollar abgewickelt werden. Die UdSSR trat diesem globalen Interbankensystem im Jahr 1989 bei. Seit Auflösung der Union wurde die Russische Föderation zu einem der aktivsten Nutzer. Im Jahr 2013 wurde dann bekannt, dass der US-Geheimdienst NSA alle über SWIFT laufenden Geschäftsbeziehungen und Geldtransaktionen elektronisch ausspionierte.

Moskau und Peking haben nicht nur miteinander, sondern inzwischen auch mit einer ganzen Reihe von wichtigen Drittländern wie Brasilien, Südafrika, Indien, Iran, Vietnam, den zentralasiatischen Staaten Abkommen geschlossen, wonach bilateraler Handel einschließlich Energielieferungen und Finanztransaktionen statt wie bisher in US-Dollar künftig in den jeweils nationalen Währungen abgewickelt werden. Kaum ein Staatsbesuch oder internationales Treffen vergeht, ohne dass die Entdollarisierung vorangetrieben würde, wie etwa jüngst beim Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Kairo, der laut Westmedien angeblich »weltweit total isoliert« ist. Mehr dazu (44 KB)

 

14.02.2015 - jw - Run auf die Banken wie 1932?

Lucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Es schreckt uns und unsere Finanzmärkte nicht, wenn Griechenland aus dem Euro ausscheidet. Das sagten die Herren und Damen, auf die es bei der Gläubigerseite ankommt, schon als der Wahlsieg der Syriza sich nur abzeichnete. Sie wollten damals vor allem die Griechen von der Wahl dieser Partei abhalten. Nun sind öffentliche Aussagen dieser Art leiser geworden. Denn sie sind auch in den Geberländern nicht populär, nicht einmal in Deutschland. Aber die Herren Schäuble und Draghi sowie Frau Merkel, die man als die Hauptverantwortlichen hinter der Knebelungspolitik identifizieren kann, setzen erkennbar immer noch darauf, dass am Finanzmarkt nichts Schlimmes passiert, wenn die Verhandlungen um einen neuen, von Athen benötigten und verlangten neuen Schuldendeal scheitern, Griechenland die Pleite erklären muss, die Banken kein Geld mehr bekommen und das Land aus dem Euro ausscheidet. Sie wollen die Griechen als Bittsteller sehen. Dass ein Ausscheiden des Landes aus dem Euro ihnen selbst schaden könnte, wollen sie nicht wahrhaben.

Tatsächlich ist außerhalb Griechenland, anders als vor drei Jahren, nichts finanztechnisch Aufregendes passiert. Nur an der Athener Börse fallen die Kurse (vor allem der Banken). Nur die der griechischen Staatsanleihen sind abgesackt. Die Kurse Portugals, Spaniens, Irlands und Italiens halten sich ganz gut. Die Angst der Anleger, dass auch andere Regierungen nicht mehr die erste Priorität darin sehen, die Schulden zu bedienen, scheint nicht ausgeprägt zu sein. Das Kalkül der Euro-Herrscher scheint also aufzugehen. Nicht umsonst haben sie ein Euro-weites Bankenrettungssytem, die sogenannte Bankenunion, errichtet. Und nicht umsonst hat Mario Draghi seine Europäische Zentralbank in Stellung gebracht, um Staatsanleihen aufzukaufen, sollten private Investoren sie verschreckt auf den Markt werfen. Wie man dabei ein nicht botmäßiges Land von dieser Hilfe ausnimmt, hat er vorige Woche ebenfalls mitgeteilt. Mehr dazu (40 KB)

 

07.02.2015 – jw - Der Sachzwang der EZB

Der Sachzwang der EZB-kLucas Zeise zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Ich war nicht dabei, als Gianis Varoufakis mit unserem so geschätzten EZB-Chef der Mario Draghi zusammentraf. Statt der netten Bilder und den Mikrofonen, die es bei den Treffen des neuen griechischen Finanzministers mit Hollande, Juncker, Renzi, ja sogar Schäuble gab, war hier, am öden Frankfurter Osthafen, wo die EZB ihren prachtvollen Glasturm hat errichten lassen, der gute Gianis in seiner feschen Lederjacke im kalten Nordwind zu sehen. Draghi lässt ihn spüren, wer der Herr im Euro-Land ist.

Lieber Gianis, wir Zentralbanker sind dazu da, so wird er dem Ökonomieprofessor Wohlbekanntes wiederholt haben, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Aber nur indirekt. In der konkreten Wirklichkeit tun das die Geschäftsbanken, indem sie den kreditwürdigen, also finanziell gut ausgestatteten Unternehmen, Konsumenten und Staatsinstitutionen Kredit gewähren. Sie können diese Geldschöpfung so locker und nach eigenem Ermessen betreiben, weil wir, die Zentralbanker, ihnen jederzeit Geld, also Kredit, gewähren – wegen der Krise zur Zeit zum Vorzugszins von 0,05 Prozent. Aber, lieber Gianis, wir brauchen Sicherheiten, wenn wir das tun. Deswegen hinterlegen die Banken bei uns Staatsanleihen, wenn sie frisches Geld von uns nehmen. Die Staatsanleihen müssen sie vorher kaufen und geben auf diese Weise dem Staat Kredit. Wie fast jedermann weiß, aber mancher immer gern vergisst, machen sie so auf Kosten der Steuerzahler ihren Schnitt. Und die Finanzminister und Stadtkämmerer bleiben auf die Gunst der Geschäftsbanken angewiesen. Mehr dazu (40 KB)

 

31.01.2015 – jw - Wovor die Gegenseite Angst hat

Wovor die Gegenseite Angst hat-kZu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise - Die deutsche Presse ist voll von Berichten und Vermutungen darüber, was die neue Regierung in Athen nun vorhat. Ich für meinen Teil bin zunächst positiv überrascht erstens von der zügigen Bildung der Regierung und zweitens ihren ersten Beschlüssen: Wiedereinstellung von Angestellten in Ministerien und Stopp einiger von der »Troika« befohlener Privatisierungsvorhaben. Aber mindestens genauso interessant ist die Reaktion der Kontrahenten, also jener Truppe, die die Verheerungen in Griechenland seit 2010 zu verantworten hat und die – knapp gesagt – die Interessen des internationalen Finanzkapitals vertritt. Was haben Merkel, Schäuble und Gabriel, Dijsselbloem und Juncker (Euro-Gruppe und EU-Kommission), Mario Draghi und Jens Weidmann (Europäische Zentralbank, EZB) sowie Christine Lagarde und Barack Obama (USA und ihr Internationaler Währungsfonds, IWF) jetzt vor?

Gemeinsamer Tenor bis jetzt: Griechenland müsse sich an die ausgehandelten Verträge halten. Das ist einerseits eine Platitude, andererseits nicht möglich. In den Verträgen steht auch, dass der Schuldenstand des griechischen Staates durch die Zwangsmaßnahmen der Troika auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hätte gedrückt sein müssen. In Wirklichkeit liegt er bei knapp 180 Prozent. Und das trotz niedriger Zinsen und trotz eines mittlerweile erreichten Primärüberschusses (die Ausgaben für Zinsen und Tilgung der Altschulden nicht mitgerechnet). Auch wenn der bisherige Regierungschef in Griechenland, Merkels und Junckers Parteifreund Antonis Samaras, die Wahl in Griechenland gewonnen hätte, wären die Herren und Damen nicht um eine Umstrukturierung der Schulden des griechischen Staates herumgekommen. Mehr dazu (38 KB)

 

22.01.2015 - german-foreign-policy - Die Stunde der Wahrheit

FRANKFURT AM MAIN - (Eigener Bericht) - Am heutigen Donnerstag entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über den Ankauf von Staatsanleihen in mindestens dreistelliger Milliardenhöhe. EZB-Präsident Mario Draghi will mit dieser Maßnahme die Deflationsgefahr bannen und Wachstumsimpulse setzen. Die Bundesregierung sieht durch das Vorhaben ihre Austeritätspolitik gefährdet und lehnt das Vorhaben deshalb vehement ab. Geld in den Markt zu pumpen, böte den überschuldeten EU-Staaten falsche Anreize, vom Sparkurs abzuweichen und zu einer expansiven Haushaltspolitik zurückzukehren, heißt es in Berlin. Draghi hatte im Vorfeld bei Treffen mit Politikern und Wirtschaftsvertretern sowie in Interviews intensiv um die Zustimmung Deutschlands geworben. Nach Informationen des "Spiegel" ist der Italiener mittlerweile bereit, den Bedenken Berlins weitgehend Rechnung zu tragen. Zentralbank-Kreise betonten am letzten Wochenende allerdings, die Details des Ankaufprogramms stünden noch nicht fest. Mehr dazu (80 KB)

 

14.01.2015 – jw - Krieg um Ölmärkte

Krieg um OElmaerkte-kMehr als Kollateralschäden: Preisverfall beim Petroleum hält an. Das trifft nicht nur Russland oder Venezuela, sondern auch die US-Frackingbranche.

Von Dieter Schuber - Öl wird noch günstiger. Zu Wochenbeginn haben die Weltmarktpreise für die wichtigsten Referenzsorten erneut nachgegeben. Am Dienstag verbilligte sich das Fass (Barrel; 159 Liter) der Nordseesorte Brent um 2,9 Prozent auf nur noch 46,05 US-Dollar und markierte damit den dritten Tag in Folge ein Sechsjahrestief. Die gleiche Menge der US-Referenzsorte WTI (West Texas Intermediate) war bereits am Montag auf 47,40 Dollar gefallen und wurde am Dienstag bei 45,33 Dollar notiert. Noch im Sommer vergangenen Jahres waren sowohl Brent als auch WTI deutlich teurer, beide Ölsorten sind seitdem um fast 60 Prozent billiger zu haben.

Für die Marktbeobachter ist das alles logisch: Solange sich an den Rahmenbedingungen nichts ändere, müsse mit einer Fortsetzung der Talfahrt gerechnet werden, schrieben die Analysten von Phillip Futures in einem Kommentar. Übersetzt heißt das soviel wie: Zuwenig Nachfrage steht weltweit einem Überangebot des fossilen Brenn- und Rohstoffes gegenüber. Und genau hier prallen die Interessen vieler Förderländer und Dienstleister in der weltweiten Ölbranche auf die der mächtigen Inhaber jener gigantischen Ölquellen im arabischen Raum, deren Ausbeutung auch noch bei einem Preis von 20 Dollar je Fass satte Profite abwirft.

Über den Anlass des Preiskrieges wird gestritten. War es tatsächlich die Furcht der Saudis vor dem US-Schieferöl, die zur Eskalation führte, was auch verschiedene Autoren in dieser Zeitung zuletzt so sahen? Oder läuft hier ein abgekartetes Spiel zwischen Washington und Riad zum Schaden der »Feindstaaten« Russland, Venezuela und Iran? Deren Förderkosten sind deutlich höher als beispielsweise die Saudi-Arabiens und Kuwaits, was sie zu den ersten Opfern des Preisverfalls macht. Mehr dazu (44 KB)

 

31.12.2014 – derStandard.at - Drohender Schuldenkollaps schürt Angst der Vermögenden

Drohender Schuldenkollaps schuert Angst der Vermoegenden-kVon Andreas Schnauder- Mit Wachstum oder Inflation lässt sich die globale Überschuldung nicht mehr korrigieren. Das belebt Phantasien für einen globalen Haircut oder Vermögensabgaben

Das könnte noch haarig werden. Die Schuldenberge, die sich da angehäuft haben, lassen sich nicht so leicht abtragen. Das dürfte sich rächen. Ökonomen haben längst Szenarien im Kopf, ob und wann ein Platzen der Schuldenblase droht, bei dem der Ausbruch einer neuerlichen Finanzkrise unvermeidlich wäre.

Auch Alternativszenarien werden entworfen: ein weltweiter Schuldenschnitt, Zwangsabgaben, Weginflationieren der Schulden und, und, und. Viel ist Spekulation. Doch ihr liegt eine bittere Realität zugrunde. Da lohnt ein kurzer Blick in die Geschichte.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich wenig getan bei den kumulierten Verbindlichkeiten auf dem Globus. Sie pendelten so um die 145 Prozent der Wirtschaftsleistung, um dann ab den 1980er-Jahren einen langanhaltenden Gipfelsturm hinzulegen. Vor allem die privaten Verbindlichkeiten - also von Haushalten und Unternehmen - kletterten steil nach oben. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 änderte sich nur die Zusammensetzung der Außenstände, nicht aber der Trend.

Staat übernehmen Sie! - Die Passiva in den aufgeblähten Bankbilanzen wanderten reihenweise auf die Habenseite der Staatshaushalte. Mehr dazu (148 KB)

 

 

 

 

 

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